Menschen machen Fehler. In Finanzfragen nur leider besonders viele. Hier sind zehn wichtige Dinge, die bei vielen Menschen falsch laufen. Nichts davon ist neu, aber manchmal hilft eben nur das Einschleifen ins Hirn.

Das Ganze ist zweigeteilt. Fehler von großem Schadenausmaß stehen am Anfang, Kleinvieh kommt in der zweiten Hälfte.

1. Gamechanger

Nicht wissen, wie viel du hast

Gehe auf die Straße und frage zehn Menschen, wie viel Vermögen sie besitzen. Ich wette, nicht ein einziger würde eine Zahl nennen, die +/- 10% dem echten Wert entspricht. Das Problem fängt wahrscheinlich schon da an, dass viele Menschen Probleme mit größeren Zahlen haben (wobei die mit solchen Problemen wohl eher selten in die Not kommen, mit größeren Zahlen in Bezug auf Finanzen umzugehen…).

Es ist doch die einfachste Übung der Welt und reicht doch auch, wenn man das halbjährlich mal zusammenschreibt.

Kontostände + Bargeld + Verkehrswert von Gebrauchsgegenständen (Auto, Boot, etc.) + Wertpapierdepot + Ansprüche aus kapitalbildenden Lebensversicherungen + Wert von Rentenversicherungen + Sonstiges (der Matisse im Esszimmer, der Oldtimer, der Goldbarren etc.). Davon Schulden abziehen. Das Ganze ist in einer halben Stunde erledigt, motiviert aber ungemein, wenn der Betrag erschreckend gering ist, oder macht äußerst selbstzufrieden bei der richtigen Anzahl an Nullen.

Vor allem ist eine persönliche Bilanz auch absolute Grundvoraussetzung, um eine Investmentstrategie und die Vermögensallokation festzulegen. Die großen Assetklassen (Aktien, Renten, Immos, Rohstoffe) können sonst noch nicht einmal ansatzweise ins richtige Verhältnis zueinander gesetzt werden. Woher soll man dann wissen, ob und wie viele Aktien man kaufen soll.

Es schadet übrigens auch nicht, mal den groben Verkehrswert des seit 20 Jahren selbstgenutzten Hauses zu recherchieren…

Nicht wissen, was dein Cash-Flow ist

Ja ja, das gute alte Haushaltsbuch. Es hat schon seinen Sinn und Zweck, denn es ist unerlässlich, über die monatlichen Kontobewegungen Bescheid zu wissen. Wer es nicht dauerhaft führen will, sollte wenigstens mal einen exemplarischen Monat aufzeichnen. Oder noch besser: Wenn möglich alles mit Karte zahlen und am Ende des Monats die in Excel exportierten Kartenumsätze analysieren. Bequemer geht’s nicht; auch wenn Deutschland in Sachen electronic cash leider nicht die Speerspitze bildet…

Einnahmen und Ausgaben zu kennen ist aber essentiell, um (1) sicherzustellen, dass man kein laufendes Minus erwirtschaftet und (2) den Betrag zu kennen, den man regelmäßig zur Seite legen kann. Auch kommt manchmal eher vermögensschädliches Konsumverhalten zum Vorschein: Wenn ich alle Espressi und Croissants im Monat addiere, wird’s mir mokkabraun vor Augen. Ob man es dann auch ändert, ist natürlich eine andere Frage…

Die Qualifikation deines Beraters nicht hinterfragen

Das ist für mich wirklich ein kapitaler Fehler. Der Berater in Sparkasse, Volksbank und Co. mit seiner Banklehre und Vertriebsschulung gilt manchen ja als richtige Instanz. Das Thema ist mein Steckenpferd, weshalb ich auch gerade ein E-Book drüber schreibe. Kurz zusammengefasst: Ein großer Teil der Finanzvertriebler ist nicht wirklich gut ausgebildet, beeinflusst aber die ganz großen Fragen in deinem Leben. Ich sage immer:

„Wer sich von der Krankenschwester nicht operieren lassen würde, sollte lieber mal seinen Finanzberater unter die Lupe nehmen.“

Konsumschulden aufnehmen

Verschuldung für Konsum? Finde ich echt komisch. Investitionsschulden (Unternehmenskauf, Immobilienkauf, etc.) stehen auf einem anderen Blatt. Doch für Auto, Urlaub, Möbel oder Unterhaltungstechnik einen Kredit aufzunehmen, sollte man wirklich lassen. Kannst du es dir bar nicht leisten, kannst du dir es nicht leisten. Eigentlich simpel. Verzichtest du auf den Kredit, hast du später garantiert mehr. So simpel.

 

2. Kleinvieh macht aus Mist

Für etliche Bankleistungen zahlen

Ich zahle gerne mehr, wenn ich auch mehr bekomme. Guter Service ist mir zum Beispiel viel Wert. Wenn man jedoch die Wahl hat zwischen kostenpflichtigen Überweisungen und kostenlosen, gibt’s eigentlich nichts nachzudenken. Überweisung ist Überweisung – Mehrwert gibt’s da nicht. Das gleiche gilt für den postalischen Versand von Kontoauszügen, die ich sowieso viel lieber papierlos abspeichere. Für Abhebungen bei fremden Banken Geld zu zahlen, ist ebenso unnötig. Mit Kreditkarten kommt man bankübergreifend kostenlos an sein Geld.

Man mag einwenden, die 2 Euro, 58 Cent und 3,95 Euro sind ja nur Peanuts. Das stimmt absolut und auf diesem Blog geht es sonst auch eher um Themen, die absolute Game Changer für das Vermögen sind – strategische Entscheidungen über richtig viel Geld. Ich verstehe, dass vielen die Kleckerbeträge egal sind, doch vielen ist gar nicht klar, dass es die gleiche Leistung im Jahr auch für 200 Euro weniger gäbe. Man muss einfach nur die Bank wechseln.

Überversichern

Ich bin kein großer Fan von zu vielen Versicherungen, aber das ist wirklich Geschmackssache. Ich bin der Meinung, dass ein junger Single ohne Frau, Kind und Hof nicht wirklich mehr braucht als eine Haftpflicht und evtl. eine Berufsunfähigkeit. Aber da bin ich eher Minimalist und denke mir, dass ich die Versicherungsbeiträge lieber meinem Vermögen zuführe und eventuellen Schaden dann später aus diesem begleiche. Andere wiederum brauchen das Gefühl der Sicherheit. In diesem Fall gilt es aber, sich wenigstens einen Überblick zu verschaffen und mal auf Einsparpotenziale abzuklopfen.

Die Produkte des kleinen Mannes kaufen

Diese Produkte sind vor allem eines: kompliziert und teuer. Ich denke da an Bausparen, Aktienanleihen, CFDs, Riester & Co. Wer das gut durchrechnet und gegebenenfalls Zulagen bekommt, für den kann das durchaus Sinn machen. Allen anderen sei gesagt: Gute Geldanlage geht auch ohne all das, was der Bankberater in der Regel als erstes verkauft. Schon gewusst? Beim Abschluss eines Bausparvertrages geht 1% Provision (von der Bausparsumme!) an die Bank, die ersten gezahlten Beiträge sind also absolute Ausgaben.

Bei Offline-Banken Wertpapiergeschäfte tätigen

Schonmal in den Preisaushang geschaut? Bei vielen Geschäftsbanken erblasst man da geradezu. Wer auf gute Beratung angewiesen ist, kommt um höhere Kosten nicht herum. Doch für Menschen, die sich ihr simples Depot selbst aufbauen wollen, macht es einfach keinen Sinn, pro Order 20 Euro fix  + X% variabel zu zahlen oder für den Kauf einer Anleihe, die mit 1% rentiert, 0,5% an anteiligen Gebühren auszugeben. Man muss kein Finanzexperte sein, um bei einem Online-Broker ein paar ETFs zu ordern. Die Steuererklärung ist komplizierter…

Hin und her macht die Taschen immer noch leer

Die Rendite, die du erwarten kannst, ist die Marktrendite abzüglich Kosten. Kosten fallen sowohl laufend an in Form von Managementgebühren, als auch bei den meisten Transaktionen. Wer viel handelt, senkt seine erwartete Rendite. Und sind wir mal ehrlich: Manche verdienen damit langfristig Geld; bei den meisten geht es schief. Ich selbst spekuliere auch mal kurzfristig, doch nur mit einem Bruchteil meines Vermögens. Für den Rest gilt: Gebühren bitte meiden wie die Pest!

Das Konto überziehen

Die Sollzinsen der meisten Banken sind nicht so stark wie die Guthabenzinsen gesunken, was ja auch häufig von Verbraucherschützern kritisiert wird. Derzeit bewegen sich sich ungefähr in der Spanne 5-15% pro Jahr, wohlgemerkt auf genehmigte Überziehungen des Girokontos. Bei nur geduldeten Überziehungen außerhalb eines vereinbarten Kreditrahmens wird in der Regel ein noch höherer Betrag verlangt. Hier in Großbritannien ist es zudem Gang und Gebe, auch noch pauschale Tagesgebühren draufzuschlagen, was in Deutschland meines Wissen nicht verbreitet ist. Wie auch immer: Die Zinsen sind horrend! Entweder die Schulden vermeiden oder versuchen, im Familien- und Freundeskreis zinslos oder zu besseren Konditionen zu leihen. Musterkreditverträge gibt es im Netz. Und wer aus Kalkül auf Kredit investieren möchte, sollte einen günstigeren Effektenlombardkredit aufnehmen.

Welcher kapitaler Fehler gehört eurer Meinung nach noch in diese Liste?

Cheers und erfolgreiche Woche!


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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