Ich beobachte momentan drei große Vorgehensweisen bei der Geldanlage. Die Einen machen es selbst, die Anderen treffen die bewusste Entscheidung, es machen zu lassen. Doch dazwischen wird das Vermögen der großen Mehrheit der Anleger aufgerieben, in der 08/15-Anlageberatung im Massengeschäft. Die zwei wesentlichen Aspekte sind dabei Kosten und Qualität.

Wie sich die Situation in den drei Gruppen gestaltet, erfahrt ihr im Folgenden.

Do-it-yourself

Eine zunehmende Zahl an Anlegern kümmert sich selbst um ihr Geld. Die ganzen Finanzblogs im Lande erreichen wohl ohnehin vor allem diese interessierte Menge. Wer do-it-yourself verfolgt, kann die Geldanlage heutzutage fast komplett kostenlos abwickeln.

  • Depots bei Online-Brokern sind quasi umsonst zu haben. Je nach Anbieter sehen die Preisverzeichnisse hier und da mal Kosten vor (bspw. bei der Verbuchung von Dividenden), aber in Summe kann man das Paket durchaus als quasi kostenlos bezeichnen.
  • Der eigentliche Wertpapierhandel ist bei den meisten Online-Brokern sehr günstig. Aktien handelt man so schon ab ca. 5 Euro. Zudem werben einige Broker mit Free Trades.
  • Viele Wertpapiere kann man umsonst handeln. Die meisten Broker haben Kooperationen mit Emittenten und Fondsgesellschaften. So kann man sehr viele Zertifikate und Optionsscheine kostenlos handeln und bei Fondsanteilen wird der Ausgabeaufschlag erlassen oder reduziert.
  • Die laufenden Kosten von ETFs sind durch den Wettbewerb extrem gesunken. Die großen Indizes gibt es für weniger als 0,1% pro Jahr.

Der überaus beliebte „Autopilot“, also ein Sparplan in verschiedene ETFs ist ebenfalls quasi umsonst zu haben. Ich habe mich heute mit dem Thema mal wieder auseinandergesetzt und bei meinem früheren Broker nachgeschaut.

Flatex beispielsweise verzichtet bei ETF-Sparplänen auf die fixe Transaktionsgebühr bei ETFs von iShares und ComStage. Alle anderen kosten auch nur 90 Cent. Bei Sparplänen wird über die KAG gekauft, aber es wird Gott sei Dank nicht der Ausgabekurs (inkl. Agio) abgerechnet, sondern zum Nettoinventarwert. Aufgeschlagen wird nur eine kleine variable Kostenpauschale von wenigen Basispunkten (schwankt um ca. 10 Bp).

Wer es selbst macht, kann heutzutage also eine fast komplett kostenlose Lösung bekommen.

Der durchschnittliche Privatanleger

Stuck in the middle – das beschreibt es ganz gut. Man könnte auch lose-lose sagen, denn die meisten Deutschen zahlen nicht nur hohe Kosten, sondern erhalten für den Preis auch noch schlechte Beratung.

Kleines Beispiel gefällig? Schauen wir uns eine beliebige Bank an – sagen wir die Berliner Volksbank (mit der habe ich rein gar nichts am Hut). Der Wertpapierhandel im Basismodell kostet offline beim Kauf von Aktien 19,90 Euro fix + 1,25% vom Kurswert. Das sind bei einer Order im Volumen von 5.000 Euro Kosten von 82,40 Euro. Kauf und Verkauf kosten zusammen also stolze 3,3% vom Kurswert. Das muss man erstmal verdienen!

Ich bin ein Mensch, der gerne etwas Geld in die Hand nimmt, sofern er denn etwas bekommt. Für Qualität zahle ich gerne mehr – gute Dinge sind mir etwas wert. Das gilt auch für Service und Beratung.

Ohne die Beratung dieser Volksbank im Speziellen zu kennen, kann ich aber doch eines über das Massengeschäft allgemein sagen: Die Qualifikation einiger Mitarbeiter muss hinterfragt werden und zudem bestehen Interessenkonflikte im Vertrieb. Ebenfalls musste ich leider immer wieder beobachten, dass im Massengeschäft der Banken kein Portfoliogedanke herrscht, sondern einzelne Produkte ohne jeden Zusammenhang verkauft werden. Das ist definitiv kontraproduktiv.

Für gute Beratung zahlen

Ich finde es absolut legitim, für Finanzberatung auch zu zahlen. Klar denkt ihr euch, das sagt ja auch ein Banker. Aber nein! Wem Finanzfragen ein Graus sind und wer sich nicht mit der Materie beschäftigen will, der soll doch ruhig Beratung kaufen. Das Gleiche gilt für Vielbeschäftigte, deren Arbeitsstunde mehr wert ist, als der Nutzen, sich eine Stunde mit Finanzen zu befassen.

Jetzt werden die Verfechter eines simplen ETF-Portfolios gleich sagen, dass das ja nicht so schwierig ist und die Zeit jeder aufbringen sollte. Das glaube ich nicht.

Wenn man realistisch auf die Sache blickt, dann muss man sich doch sehr intensiv mit der Materie auseinandergesetzt haben, bevor man all die trügerischen Versuchungen des Finanzvertriebs links liegen lassen kann und die Idee hinter passivem Investieren und der ETF-Selektion verinnerlicht hat.

Auch hier gilt, dass Einfachheit teilweise schwieriger zu erreichen ist als Komplexität. Wäre der Weg dorthin einfach, würden mehr Menschen danach handeln und so anlegen.

Wer sich nicht damit auseinandersetzen will, hat eigentlich nur drei sinnvolle Möglichkeiten:

  • Die Leistungen eines Honorarberaters in Anspruch nehmen, auch wenn einem dann schmerzlich bewusst wird, dass guter Rat teuer ist.
  • Vermögensverwaltung statt Vermögensberatung nutzen, den Autopiloten für Nichtinteressierte. Auch hier wird einem schmerzlich bewusst, dass guter Rat teuer ist. Bei kleinen Vermögen erhält man zudem nur ein standardisiertes Produkt.
  • Die Kontrolle über die Finanzberatung zurückgewinnen. Damit meine ich, sicherzustellen, dass der Berater hochqualifiziert ist, im Kundeninteresse handelt und dem Kunden auf Augenhöhe begegnet. Wie man das bewerkstelligt, ist Thema in meinem Buch „Gebrauchsanleitung für deinen Banker“, an dem ich eifrig schreibe.

Letztlich haben wir also zwei Extreme auf beiden Seiten und dazwischen ist die große Menge der Privatanleger und Sparer gefangen. Doch in der Mitte lauert der größte Schaden fürs Vermögen, verursacht  durch Kosten, Unwissen und schlechte Beratung.

Dabei sind die persönlichen Finanzen einer der wichtigsten Aspekte des Lebens, vergleichbar mit Gesundheit. Denn die meisten Aspekte unseres Lebens hängen vom Geld ab und in einer Konsumgesellschaft korrelieren Glück und Geld auch zu einem gewissen Grad. Deshalb ist es verheerend, wenn das eigene Geld in der Mitte dieses Modells aufgerieben wird.

Anleger sollten entweder in den Angriff gehen und die Zügel selbst in die Hand nehmen oder aber sicherstellen, dass es gut gemacht wird und bereit sein, dafür zu zahlen.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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