Im nächsten August und September beginnen die neuen Ausbildungsjahrgänge, jetzt ist also genau die richtige Zeit, um sich zu bewerben. Wenn eine Banklehre für dich in Frage kommt, solltest du aus folgenden Gründen zu einer Privatbank gehen:


Kurz zur Terminologie: Mit Privatbank sind nicht alle privaten Banken gemeint, denn private Banken (in Privatbesitz) sind auch die meisten Großbanken. Privatbanken bzw. Privatbankiers konzentrieren sich meist auf Vermögensverwaltung, akzeptieren nur Kunden mit einem Mindestvermögen und firmierten früher meist als offene Handelsgesellschaft (der Privatbankier haftete persönlich).


1. Weil dein halber Ausbildungsjahrgang adlig sein wird

Du wolltest schon immer mal Freunde aus dem Adel oder gar Hochadel haben? In der Privatbank besteht eine realistische Chance, dass du an der Seite von Freiherren, Grafen oder Fürsten lernst. Diese Familien sind noch eng mit den Privatbanken verwoben und schicken ihre Sprösslinge oft dorthin, damit sie lernen, wie man mit Geld umgeht. Das gibt dir spannende Einblicke in eine sonst für viele verschlossene Gesellschaftsschicht.

Du bist adlig? Gut, dann ist dein Vorteil nach 9 Jahren auf einem britischen Internat, dass der Realitätsschock nicht ganz so hart ausfällt. Die Bürgerlichen in der Gruppe sind nämlich meist sehr gesittet und aus gutem Hause…

2. Weil du rotieren wirst

In Volksbanken und Sparkassen werden Auszubildende fast ausschließlich in den Serviceteams der Filialen eingesetzt. Sie lernen dort in vielen Fällen nur das Massengeschäft kennen. Sie sind also sehr fit in Fragen der Kontoführung und des Zahlungsverkehrs. Doch auch wenn ein Zentraleinsatz Teil der Ausbildung sein kann, sind 1,5 bis 3 Jahre in der Filiale nicht sonderlich spannend. In Großbanken sehen die Auszubildenden teils auch andere Abteilungen. Doch in Privatbanken durchlaufen die Lehrlinge fast alle Abteilungen der Bank. Der Vertrieb ist dabei nur ein gleichberechtigter Teil unter vielen. Denn Auszubildende durchlaufen auch Abteilungen wie Portfoliomanagement, Trading, Kredit, Compliance, Recht, Rechnungswesen, Organisation etc., lernen also den ganzen Bankbetrieb kennen. Das ist nicht nur abwechslungsreicher, sondern gibt auch mehr Wissen an die Hand.

3. Weil die Leute smarter sind

In den meisten Banken wirst du deine Ausbildung in der Filiale verbringen. Das dortige Team ist nicht nur zahlenmäßig überschaubar, sondern oft auch nicht besonders interessant. Ich habe schon viele Geschichten von Filialleitern gehört, die meinen in der Sparkasse Hintertupfing ihre Machtphantasien ausleben zu müssen. Höhere Bildung oder Führungsfähigkeiten? Fehlanzeige. In den Privatbanken sind die Mitarbeiter einfach smarter. Sie sind im Schnitt besser ausgebildet, da man den Kunden auf Augenhöhe begegnen möchte, sie kleiden sich besser, verdienen mehr usw.

Und: Die Hierarchie-Ebenen in Privatbanken sind flach, du wirst also viel häufiger Kontakt mit den Vorständen oder Gesellschaftern haben.

4. Weil du die spannenderen Kunden hast

Deine Kundin ist nicht Lieschen Müller, die jede Woche 50 Euro abhebt und der du die Überweisungsformulare erklären musst. Deine Kunden sind vermögend oder gar steinreich, sie sind Erben, Unternehmer oder Manager. Wenn du durch die Kundendatei blätterst, kennst du auf jeder Seite mindestens einen Namen. Bekannte Sportler, Politiker, Adelsfamilien und Künstler gehen ein und aus. Du hast intime Einblicke in die persönlichen Finanzen dieser Leute. Mit etwas Glück triffst du im Fahrstuhl einen Minister oder einen der ca. 120 Milliardäre in Deutschland.

5. Weil du im schöneren Gebäude arbeitest

Privatbanken brauchen für ihr Geschäftsmodell repräsentative Geschäftsräume, die etwas hermachen. Deshalb befinden sie sich immer in den besten Lagen der Stadt. In München ist es das Bankenquartier zwischen Maximiliansplatz und Brienner Straße, in Hamburg die Binnenlaster und der neue Wall.  Du kannst in deiner Mittagspause im Münchner Hofgarten oder an der Hamburger Alster spazieren gehen und musst nicht in einer Vorstadt-Filiale der Sparkasse versauern. Die Gebäude selbst sind meistens ein Traum. Altbauten, Stuckdecken, Marmortoiletten, Statuen griechischer Götter in den Fluren, schwere Damastvorhänge, Mahagoni-Tische und flauschiger Teppich. In den Räumen einer Privatbank würde sich auch ein König wohl fühlen. Es macht doch zehnmal mehr Freude, in einem solchen Ambiente zu arbeiten als in einem Büroklotz der 70er-Jahre.

6. Weil dein Abschluss mehr wert ist

Der Abschluss mehr wert? Ist doch der gleiche Bankkaufmann! Das stimmt, aber du hast die stärkere Marke im Lebenslauf. Die Strahlkraft von Sal. Oppenheim, Metzler oder Warburg ist immer noch groß. So kannst du dich gegenüber den ganzen Bankkaufleuten der Großbanken wunderbar abgrenzen. Zudem gibt es nur eine sehr begrenzte Zahl an Absolventen, da viele dieser Banken pro Jahr nur eine Handvoll Auszubildende einstellen oder gar nicht ausbilden. Durch das Rotationsprinzip machst du außerdem viel mehr Erfahrungen als andere, was deinen Bankkaufmann auch inhaltlich wertvoller macht.

7. Weil du umziehen musst

Dieser Vorteil liegt vielleicht nicht direkt auf der Hand, aber da die großen Hubs für Privatbanken nunmal München, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf sind, ist der Großteil der Auszubildenden gezwungen umzuziehen. Das ist gut so! Denn während in deiner Berufsschulklasse fast alle noch zuhause bei den Eltern wohnen, meisterst du dein eigenes Leben fern der Heimat und gewinnst ein anderes Maß an Selbständigkeit. Du reifst dadurch schneller und hast zudem die Möglichkeit, in einer spannenden Großstadt zu leben!

Bist du jetzt auf den Geschmack gekommen? Go for it!

Die großen Namen sind: Merck Finck & CoMetzlerWarburgBHF,  HSBC TrinkausBerenberg, Bankaus Lampe, Sal. Oppenheim und Donner & Reuschel (nicht alle bilden Bankkaufleute aus).

Die Ausbildungsplätze werden teils sehr früh besetzt, also beeil dich. Ein Abitur ist der Standard, aber nicht überall Pflicht.

Und zu guter letzt noch ein Lichtblick: Die Konkurrenz um die Ausbildungsplätze ist erstaunlich gering, da sich die ganzen Vorteile noch nicht rumgesprochen haben. Die meisten kommen gar nicht auf die Idee. Deine Chancen stehen also gut!


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.