Ich bin bekanntermaßen ein Fan von Stillhalter-Geschäften. Richtig eingesetzt bieten sie in diesen Zeiten niedriger Zinsen eine nette Möglichkeit, der Rendite hier und da ein bisschen Pepp zu verleihen. Doch die große Verbreitung von Aktienanleihen im Massengeschäft der Banken bereitet mir einfach Sorgen. Was ich an Aktienanleihen so kritisch finde, erfahrt im Folgenden:

Einzeltitel als Basiswert

Der Basiswert ist meistens ein Einzeltitel. Namen wie Siemens oder Daimler erwecken beim Kunden vermutlich mehr Vertrauen und Gedanken an Solidität, verglichen mit kryptischen Indexbezeichnungen wie Stoxx 600 Europe. Das ist für den Berater ja viel leichter zu erklären und nicht so abstrakt. Gleichzeitig aber auch so verhängnisvoll für den Kunden.

Die Volatilität von Einzeltiteln ist im Großteil der Fälle nämlich deutlich höher als die von Indizes. Somit ist zwar auch die vereinnahmte Prämie höher, doch unternehmensspezifische Risiken machen ein Durchbrechen der Barriere viel wahrscheinlicher als den Absturz eines Index um 40%.

Bestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Dieselgate und Volkswagen. Innerhalb von Tagen war die Barriere gebrochen, wohingegen es für eine solche Bewegung im Index schon eine ausgewachsene Wirtschaftskrise bedarf.

Das Risiko wird unterschätzt

Aktienanleihen sind für viele konservative Anleger viel zu riskant. Es spricht auch bei solchen Anlegern nichts gegen etwas Risiko im Portfolio, doch werden vor allem durch den Begriff der „Anleihe“ völlig falsche Erwartungen an den Charakter des Wertpapiers geweckt. Ja, es ist eine Anleihe, aber primär eine von der Bank emittierte Anleihe!

Ich glaube nicht, dass das viele Kunden wirklich wissen. Aufgrund ihrer Eigenschaften gehört eine Aktienanleihe gedanklich als aktienähnliches Investment kategorisiert und hat mit klassischen Renten nicht viel gemein.

Aktienanleihen sind sehr teuer

Die Emittenten aller Zertifikate, also auch von Aktienanleihen, bilden die Auszahlungsstruktur des Zertifikats intern mit Derivaten ab. Nicht alle Zertifikate sind dabei für den Privatanleger ohne weiteres nachbaubar, da Banken hierbei aufgrund der Größe auch individuelle Konditionen hinsichtlich Laufzeiten, Basispreise etc. eingehen können.

Eine Aktienanleihe hat jedoch ein recht simples Grundgeschäft. Der Emittent kauft in der Regel einen Zerobond mit passender Laufzeit und verkauft eine Put-Option auf den Basiswert. Dafür vereinnahmt er eine Prämie, gibt jedoch nur einen überschaubaren Teil dieser an den Käufer der Aktienanleihe in Form von Zinsen weiter. Wenn man das nachbaut und vergleicht, kann man die hohe Marge kaum fassen.

Conclusio: Das Basisgeschäft ist schlichtweg vorzuziehen. Dafür braucht man zwar einen Zugang zur Terminbörse, aber das ist für ambitionierte Privatanleger ja kein Hindernis. Alle anderen müssen leider auf einen Teil der Entlohnung für das Risiko (was man sich nicht mit der Bank teilt!) verzichten.

Hohe Handelskosten

In dem Umfeld, in dem Aktienanleihen besonders gerne verkauft werden, an Privatkunden im Massengeschäft fernab von DIY, sehen die Preisaushänge horrende Gebühren für den Handel vor. Wir sprechen hier bei den meisten Präsenzbanken im Bereich Zertifikate über Transaktionsgebühren von 0,5%. Der Round Trip (sofern man nicht bis zur Fälligkeit hält) kostet also einen stattlichen Teil der Rendite.

Fazit & Empfehlung

Anders als andere Finanzblogger verteufle ich Zertifikate nicht. Anleger, die keine Derivate direkt handeln möchten, finden in ihnen einen einfachen Zugang zu bestimmten Strukturen und können so auch bspw. Volatilität shorten. Um die Preistreiber von Zertifikaten zu verstehen, ist aber letztlich doch ein Verständnis des zugrundeliegenden Derivats von Nöten und da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Wer Stillhalter-Geschäfte in Form von Zertifikaten tätigen möchte, dem sei geraten, nur Indizes als Basiswerte zu wählen. Wer risikoscheu ist, sollte dabei auf eine kurze Laufzeit (< 3 Monate), ein geringes Aufgeld, einen großen Abstand zur Barriere (>30%) und eine hohe Volatilität (>30) achten. Damit ist das Geschäft zwar immer noch risikobehaftet, doch deutlich konservativer in der Ausgestaltung als das, was leichtgläubigen Privatanlegern tagtäglich verkauft wird.

Letztlich tun sich die Banken damit selbst keinen Gefallen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis mal eine Barriere bei Einzeltiteln reißt. Dann werden die Aktien mit großen Verlusten eingebucht und der Kunde guckt dumm aus der Röhre. Die übliche Reaktion: „Da habe ich einmal was mit Risiko gemacht und dann verliere ich gleich so viel Geld. Nie wieder!“. Man treibt als Bank also seinen Kunden nur noch weiter vom ertragreichen Aktiengeschäft weg und zurück in klassische Sparformen.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.