Die Zinsen sind niedrig und doch willst du nicht voll ins High-Yield- oder Aktienrisiko? Dann solltest du dir klassische Stillhaltergeschäfte einmal näher anschauen. Diese ermöglichen Renditen, wie du sie gewohnt bist. Zwar keinesfalls risikolos, doch mit einer oft niedrigen Volatilität.

Im ersten Artikel meiner Serie zu Stillhaltergeschäften soll es heute um den indirekten Verkauf von Optionen durch Zertifikate gehen.

Wenn euch die Begrifflichkeiten schon bekannt sind und ihr einfach nur wissen wollt, was ich persönlich dazu zu sagen habe, dann springt direkt ans Ende. Ansonsten ein paar Worte vorweg, die sollen jedoch keinen Wissensartikel ersetzen, sondern sind eher als Refresher gedacht.

Zunächst einmal die Frage: Was ist ein Stillhalter?

Als Stillhalter wird der Verkäufer einer Option bezeichnet, der kein Ausübungsrecht hat, sondern zur Abnahme oder Lieferung von Aktien verpflichtet ist, wenn der Käufer seine Option ausübt (Hoffe, dass klingt nicht zu technisch?!). Stillhalter sind meist „Short-Vola“, profitieren also von einer sinkenden Volatilität. Das liegt daran, dass ein Preisfaktor von Optionspreisen die Volatilität ist: Bei einer höheren Schwankungsintensität ist die Wahrscheinlichkeit schlichtweg höher, dass der Optionskäufer einen Preis beim Basiswert erlebt, der eine Ausübung der Option lohnenswert macht (die Option ist „im Geld“ bzw. hat inneren Wert). Wer von sinkender Volatilität profitieren will, der sollte logischerweise Optionen verkaufen, wenn die Volatilität hoch ist, denn wohin soll sie sonst sinken… Das Schöne an der Volatilität ist, dass man bei ihr einigermaßen weiß, ob sie hoch oder tief ist, da sie nach unten de facto begrenzt ist (der Aktienmarkt wird immer schwanken) und vorherige Crashs die oberen Erfahrungswerte markieren. Wenn hingegen eine Aktie tief fällt, mag sie günstig erscheinen – aber ich sag nur CBK und DTE.

Des Privatanlegers erste Wahl: Zertifikate

Sofern man als Privatanleger keinen Zugang zur Terminbörse hat oder Derivate nicht direkt verwenden möchte, kann man viele Konstruktionen auch durch den Kauf von strukturierten Produkten wie Zertifikaten abbilden. Der Emittent (eine Bank) tätigt dann das Optionsgeschäft und verbrieft es als Schuldverschreibung in einem Produkt. Dabei schneidet er sich natürlich eine Scheibe für sich ab. Selber machen ist also grundsätzlich günstiger. Aber: Für den normalen Privatanleger wären einige Konstruktionen übers Derivat gar nicht zugänglich, da der Emittent große Blocktrades handeln kann und eine höhere Flexibilität hinsichtlich der Eckdaten hat („Flexible Contracts“).

Am häufigsten kommen in der Praxis sicherlich Aktienanleihen bzw. Bonuszertifikate vor.

Aktienanleihen

Aktienanleihen sind bei Privatanlegern ja relativ weit verbreitet und werden von Banken gerne vertrieben (auch an konservativere Kunden). Der Name ist für viele irreführend, handelt es sich doch nicht um eine Aktie und auch nicht um eine klassische Anleihe. Es ist eine Anleihe, die eine Bank begibt und deren Rückzahlungsbedingungen an die Entwicklung einer Aktie geknüpft sind. Kurz gesagt: Liegt der Kurs der Aktie am Ende der Laufzeit über einem gewissen Niveau, kriegt der Anleger den Nennwert zurückgezahlt, anderenfalls den Basiswert in Aktien angedient (die bei Einbuchung dementsprechend Verluste aufweisen).

Meine Meinung zu Aktienanleihen: Wenn ich mir die Leute anschaue, die Aktienanleihen kaufen, dann scheinen mir die Risiken häufig nicht erkannt worden zu sein. Auch erscheint der Erwerbszeitpunkt bei vielen Anlegern eher willkürlich, ohne dass man die Preisfaktoren der Anleihe begriffen hat. Frag den durchschnittlichen Käufer mal, warum der Kurs der Anleihe von einem Tag auf den nächsten steigt, obwohl sich der Aktienkurs nicht verändert hat (und nein, am Zeitwertverfall liegt’s Monate vor Fälligkeit noch nicht).

Ich habe einfach schon zu oft gesehen, dass bei Einzeltiteln die Barriere dann doch riss (zuletzt war die größte Überraschung sicher VW und da werden sich etliche risikoscheue Anleger mit Aktienanleihen verbrannt haben). Die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei Einzelaktien wegen des unsystematischen Risikos einfach höher, weshalb ich persönlich eher zu Indizes als Basiswert greife. Und damit wären wir (neben Indexanleihen) bei den Bonuszertifikaten.

Bonuszertifikate

Bonuszertifikate funktionieren recht ähnlich. Doch darf hier die Barriere während der ganzen Laufzeit nicht unterschritten werden. Am Ende der Laufzeit gibt’s immer einen Barausgleich. Wegen der unsystematischen Risiken greife ich zu Index-Bonuszertifikaten. Ich wähle gerne die Cap-Variante, da ich mich nach oben gerne begrenze, wenn dafür die Bonusrendite etwas höher ausfällt.

Beispiel einer simplen Strategie, die ich gerne handle:

Capped-Bonus-Zertifikate auf bspw. DAX oder EuroStoxx 50. Wenn die Volatilität tendenziell hoch ist (ab 30 im VSTOXX wird’s attraktiv), kann man auch bei Wahl kurzer Laufzeiten (2-3 Monate) und hoher Abstände zur Barriere (> 30%) ansehnliche Bonusrenditen erzielen. Wenn bei dieser Restlaufzeit und 35% Abstand 1,5% oder gar 2% herausspringen, dann sind das annualisiert schnell mal 8%. Das halte ich für attraktiv, da schlage ich zu. Wenn die Vola über 30 ist, sind die Kurse ja schon merklich unter Druck geraten. Wenn ich dann nochmal 35% Puffer abziehen kann, müsste sich grob über den Daumen der Markt halbieren (in nur 2-3 Monaten), damit meine Barriere reißt. Wir bräuchten also einen handfesten Crash. Schaut man nun, wie häufig die Vola über 30 ist und wie oft danach noch ein derart großer Kursverfall in so kurzer Zeit folgt, dann ist das ziemlich selten. Chance-Risiko passt in meinen Augen.

Meine wichtigsten Tipps auf den Punkt gebracht:

  1. Die Restrendite im Auge behalten. Handelt das Papier einen Monat vor Fälligkeit nur 20 Cent unter Nennwert, würde ich nicht noch einen Monat im Risiko stehen wollen.
  2. Ihr geht Short-Vola. Damit die Vola auch Raum zum Fallen hat, erst bei bspw. 30-35 Punkten im VSTOXX genauer hinschauen. Erfahrungsgemäß wird es dann erst interessant.
  3. Bei Indizes als Basiswert vermeidet ihr übermäßiges unsystematisches Risiko – für das ihr sowieso nicht entlohnt werdet.
  4. Schön wäre eine Restlaufzeit kleiner drei Monate. Da ist der Zeitwertverfall euer bester Freund und Crashs auf Raten müsst ihr nicht so sehr fürchten.
  5. Es gibt Broker, bei denen ihr strukturierte Produkte gratis handelt – die Kosten schmälern also nicht die Bonusrendite. Bleiben nur noch wenige Cent Spread.

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.