Wer im Ausland studiert wird meist eine wunderbare und wertvolle Zeit erleben. Doch ein Auslandsstudium ist teuer. Wenn das Zielland dann auch noch in einem anderen Währungsraum liegt, verursachen Währungskursschwankungen ein erhebliches Kostenrisiko. Wenn mit Kosten von bspw. 60.000 EUR gerechnet wird, machen zweiprozentige Tagesschwankungen der Auslandswährung das Studium über Nacht mal eben 1.200 EUR teurer. So schnell kann man das Geld gar nicht reinholen!

Im schlechtesten Fall wertet die Fremdwährung genau dann über einige Wochen auf, wenn eine große Zahlung für etwa Studiengebühren geleistet werden muss. Damit dann nicht die Kalkulation gesprengt wird, sollten Studenten Sicherungsmaßnahmen ergreifen. Diese Wege bieten sich dafür an:

Sorten kaufen

Als Sorten werden ausländische Münzen und Scheine bezeichnet, im Gegensatz zu Buchgeld in Fremdwährung (sog. Devisen). Sich einfach frühzeitig ein dickes Bündel Scheine zu beschaffen, ist so ziemlich die schlechteste Idee zur Währungssicherung.

  • Sorten sind teuer. Das Handling von Bargeld ist für Banken ein großer Aufwand (Transport, Versicherung) und das lassen sie euch bei der Konvertierung spüren. 1-3% Währungsmarge schneiden sich die Banken heraus. Absolut inakzeptabel bei größeren Beträgen.
  • Sorten verursachen Lagerprobleme. 60.000 USD wollt ihr wohl kaum unterm Kopfkissen verstecken. Es muss in der Regel ein Bankschließfach her, auch für die kleinsten zahlt ihr im Jahr schon 50 EUR. Sobald ihr mit Geld die Bank verlasst, setzt ihr euch außerdem einem Verlust- und Diebstahlsrisiko aus.
  • Sorten werden vielleicht nicht angenommen. Die Einfuhr von soviel Bargeld muss bei der Reise ins Zielland meist beim Zoll deklariert werden und die ausländische Uni wird auch nicht begeistert sein, wenn ihr die Studiengebühren bar zahlen wollt. Sofern sie es euch überhaupt anbietet. Während meines Auslandsstudiums haben sich da in der ersten Woche des Semesters ganz lustige Bilder geboten, als manche Studenten mit riesigen Bündeln zur Immatrikulation gegangen sind…

Alles in allem lässt sich sagen: Euren Auslandsaufenthalt bar absichern? Lasst es bleiben!

Anleihen in Fremdwährung kaufen

Raffinierter ist es da schon, wenn ihr Fremdwährungsanleihen kauft. Beim Kauf werden eure Euros in die Fremdwährung konvertiert und beim Verkauf der Anleihe wieder zurück. Der Vorteil hierbei: Dazwischen wird euer Geld verzinst. Und wenn ihr nicht gerade in der Schweiz oder in Skandinavien studieren wollt, dann sind die Zinsen meist auch noch deutlich höher als für Euros. Wenn ihr also US-Dollar oder Britische Pfund benötigt, umso besser. Bestenfalls sucht ihr nach einer Anleihe, die dann fällig wird, wenn ihr das Studium antretet. So könnt ihr euch die Verkaufsgebühren sparen, denn fällige Anleihen werden meist umsonst zurückgebucht. Bei der Wahl des Schuldners gibt es ein eisernes Gebot: Er muss eine hohe Bonität und ein gutes Rating haben. Stellt euch mal vor, euer Studium platzt, weil der Schuldner ausfällt…

Fremdwährungskonto eröffnen

Das ist eine ähnliche Lösung wie der Kauf der Anleihen. Doch werden viele Fremdwährungskonten nicht mehr verzinst. Aus Zinssicht sollte man also die Anleihen bevorzugen. Was dennoch für das Fremdwährungskonto sprechen kann: Eventuell könnt ihr euch eine Konvertierung sparen. Bei der Anleihe verlangt die Bank bzw. der Broker eine kleine Marge für den Währungstausch in beide Richtungen. Die gibt es beim Fremdwährungskonto auch. Wenn ihr aber vom Fremdwährungskonto direkt ins Ausland überweisen könnt, spart ihr euch die Kosten für die Rückkonvertierung. Leider sind jedoch sehr viele Fremdwährungskonten nicht für den Zahlungsverkehr zugelassen, dass heißt sie sind nur mit dem Girokonto verknüpft (vergleichbar mit einem Tagesgeld). Wenn das der Fall ist, würde ich die Anleihen vorziehen.

Nichts tun

Die Füße stillhalten ist auch eine Option, zumal die allereinfachste. Damit seid ihr jedoch Spielball der Märkte. In der Hälfte aller Fälle geht es gut, die Fremdwährung wertet ab und ihr zahlt weniger beim Beginn eures Studiums. In der anderen Hälfte der Fälle ist sie jedoch teurer und ihr müsst draufzahlen. Ich rate deshalb jenen, die gerne nichts tun würden, sich an folgendem Schema zu orientieren:

  • Ihr könnt euch das Auslandsstudium beim aktuellen Wechselkurs geradeso leisten? Ihr müsst absichern! Nichts tun ist keine Option. Ihr wollt doch nicht, dass euer Auslandsjahr wegen eines fünfprozentigen Währungsanstiegs platzt!?
  • Ihr könntet euch eine Aufwertung der Fremdwährung teilweise leisten? Gut, dann berechnet euer persönliches Limit. Ihr habt 30.000 EUR gespart, das Studium kostet umgerechnet aber nur 25.000 EUR? Dann könnt ihr euch eine Aufwertung von 20% leisten, müsst aber dann aktiv werden und absichern. Außerdem müsst ihr dann mit der Vorstellung leben, dass es bei Sicherung von vorherein 5.000 EUR günstiger gewesen wäre…
  • Es ist euch egal, wie weit die Währung aufwertet? Alright, der ganze Artikel ist nicht für euch geschrieben. Zum nächsten bitte ;-).

Tipp

Wenn ihr die großen Rechnungen wie Studiengebühren oder Miete in der Fremdwährung zahlt (und dies nicht mit einem Fremdwährungskonto tut), nutzt am besten eine Kreditkarte. Das ist aus zwei Gründen am günstigsten. Die Kreditkartenfirmen berechnen einen fairen Wechselkurs und nicht so hohe Margen wie die Banken. Außerdem lauft ihr dann nicht Gefahr, dass die Empfängerbank auch noch Gebühren einbehält.

Das Limit auf den Kreditkarten der meisten Studenten dürfte für zehntausende Euro nicht reichen. Dann nutzt die Karte eurer Eltern. Richtig lohnen kann es sich, wenn mit der Karte Bonusprogramme verbunden sind und zum Beispiel Flugmeilen (oder Bahn-Bonuspunkte) gutgeschrieben werden. Bei fünfstelligen Beträgen hebt euer Meilenkonto dann geradezu ab…!


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.