Gerade mit der Ausbildung oder dem Studium fertig? Congratulation! Jetzt beginnt ein neues Kapitel und das Darben ist hoffentlich vorbei. Vermutlich habt ihr jetzt erstmals mehr Geld zur Verfügung, als ihr zur Bestreitung eures Lebensunterhalts benötigt. Dieser strukturelle Bruch ist ein optimaler Zeitpunkt, eure Finanzen neu zu ordnen.

Hier deshalb die 7 Must-Dos für Berufseinsteiger:

1. Überblick verschaffen

Als Erstes muss jetzt eine Analyse des Status quo her. Mache dafür einen Kassensturz und erstelle eine Privatbilanz, indem du dein Vermögen und deine Verbindlichkeiten gegenüberstellt. Dann werfe einen Blick auf deine Cash-Flows. Was bleibt neuerdings netto übrig und was gibst du im Monat aus? Führe für mindestens einen (möglichst repräsentativen) Monat ein Haushaltsbuch oder am besten gar noch länger. Schließe an dieser Stelle die wichtigsten Versicherungen ab (mindestens eine Privathaftpflicht, eventuell eine Berufsunfähigkeitspolice).

Tipp: Wem das Führen eines Haushaltsbuches zu aufwendig ist, kann einfach einen Monat lang alles mit Karte zahlen und am Ende des Monats die Kartenumsätze nach Excel exportieren und dort auswerten. Das spart viel Zeit!

2. Tagesgeldkonto als Cash-Reserve

Sofern noch nicht vorhanden, solltest du jetzt als erstes einen Notgroschen aufbauen. Ob drei Gehälter oder die dreifachen Monatsausgaben ist nicht so wichtig, aber round about 5000 Euro sollten als Cash schon täglich verfügbar sein. Damit könnt ihr unvorhersehbare Ausgaben bestreiten und es entsteht ein Gefühl der Sicherheit. Parke dieses Geld am besten auf einem Tagesgeldkonto.

3. Schulden zurückzahlen

Der größte Wohlstandstreiber ist jetzt keine ausgeklügelte Anlagestrategie, sondern die Rückzahlung deiner Schulden – sofern du welche hast. Starte zuerst mit hochverzinsten Konsumschulden und gehe danach zu niedriger verzinsten Bildungskrediten über. Das Kalkül dahinter: Im aktuellen Umfeld niedriger Renditen ist es unwahrscheinlich, dass du mit deinen Investments mehr Rendite erzählst, als dich die Kredite kosten.

Das Gleiche gilt auch für deinen Bafög-Kredit. Der Staat gewährt einen Abschlag von bis zu 50% auf die Forderung, wenn du sie unverzüglich begleichst. Nutze diese Möglichkeit unbedingt – unter Umständen sogar unter Aufnahme eines anderen Kredites!

Idee: Frage in deinem Familien- und Freundeskreis nach, ob dir jemand den geschuldeten Betrag leihen kann. Löse den ursprünglichen Kredit damit ab und verhandele mit deinen Verwandten oder Freunden bessere Konditionen. Sie werden sich sicher mit weniger Zinsen zufriedengeben als die Bank verlangt.

4. Wissen aneignen

Sofern du dich in der Vergangenheit noch nicht mit Finanzthemen beschäftigst hast oder das Gefühl von größeren Wissenslücken hast, ist jetzt der Zeitpunkt, sie zu schließen. Werfe einen Blick in den Wirtschaftsteil der Tageszeitung. Lese Finanzbücher, gehe hier aber selektiv vor. Einige interessante Titel finden sich in dieser Aufstellung, außerdem bin ich ein großer Fan von „Genial einfach investieren“ von Martin Weber im Campus-Verlag.

5. Depot eröffnen

Eröffne ein  Depot bei einem Online-Broker. Hier lohnt sich ein Kostenvergleich, aber mach da kein Hobby daraus! Vergleichst du bis ins letzte Detail, bist du zwei Wochen beschäftigt. Du wirst wahrscheinlich nicht exzessiv traden, also kommt es auf +/- 10 Euro im Jahr auch nicht wirklich an (Auch hier gilt Pareto). Achte bei der Auswahl darauf, dass wichtige Indexfonds (ETFs) im Rahmen von Kooperationen kostenlos gehandelt oder bespart werden können. Das sollte in deiner Situation das wichtigste Kriterium sein.

6. Investieren

Deine Kredite sind abbezahlt, du hast genug Cash auf dem Konto und jetzt jeden Monat etwas Geld übrig? Werde dir über dein Risikoprofil bewusst. Risikoarme Strategien erfordern heute leider einen komplexeren Ansatz. Wenn du aber zur großen Gruppe derer gehörst, die nach der Lektüre (siehe Punkt 4) das langfristige Investieren in Aktien für sinnvoll halten, kaufe einfach ETFs. Hier tun es am Anfang die absoluten Flaggschiff-Produkte. Investiere beispielsweise in den DAX 30, den Stoxx 600, den S&P 500 und den MSCI World. Das sind nebenbei auch die Produkte mit den niedrigsten laufen Kosten überhaupt (weniger als 0,1% pro Jahr). Also quasi geschenkt. Mach das einige Zeit lang und wenn das Depot nach ein bis zwei Jahren dann fünfstellig ist (bei guten Einstiegsgehältern und hohen Sparquoten im besten Fall auch schon bis zu 50.000 Euro schwer), kannst du dir weiterführende Gedanken machen.

7. Feinschliff

Und damit wären wir beim Feinschliff. Ab diesem Punkt ist das weitere Vorgehen sehr individuell und hängt von eurer Lebensplanung und euren Zielen ab. Baldiger Immobilienkauf oder Familiengründung angesagt? Du könntest versuchen, die Kostenseite zu optimieren, oder die Ausschüttungen und die Diversifikation zu erhöhen. Vielleicht rentieren Anleihen mittlerweile auch wieder höher, sodass sich an diesem Markt risikoärmere Chancen bieten.

An dieser Stelle wird es wirklich sehr divers. Aber wenn du bis dahin nach diesem Schlachtplan vorgegangen bist, kannst du dir sicher sein: Du hast geordnete Finanzen und bist gut aufgestellt, was auch immer die nächste Lebensphase für dich bereit hält.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.