Crowdfunding erfreut sich zunehmender Popularität. Plattformen wie Bergfürst, Companisto oder Seedmatch beginnen sich zu etablieren. Doch natürlich ist ein omnipräsenter Gedanke, dass das eher Spielereien für startup-affine Menschen sind als ernstzunehmende Geldanlagen. Ich habe meine eigenen Erfahrungen mit Crowdfunding gemacht und sehe durchaus auch seriöse Investmentchancen. Mein Blick auf die Dinge erfahrt ihr im Folgenden.

Die meisten Crowdfundings sind als partiarisches Nachrangdarlehen organisiert. Anleger können damit einerseits an der Gewinnentwicklung profitieren, haben andererseits durch den Nachrang bei Kapitalengpässen nur sehr kleine Chancen, ihr Geld wieder zu sehen. Letztlich handelt es sich also um klassisches Mezzanine zwischen Fremd- und Eigenkapital.

Das macht die Angelegenheit aber auch zu einem Glücksspiel, denn das Risiko ist äußerst hoch. Bei den Investitionsobjekten handelt es sich um Unternehmen im sehr frühen Stadium, nicht etabliert, Verluste schreibend und noch klein. Als Faustformel im Venture Capital gilt, dass ein Zehntel der Startups erfolgreich ist und dieses Zehntel die neun anderen Pleiten mitfinanzieren muss.

Ich selbst habe vor einigen Jahren bei einigen Crowdinvestments mitgemacht, primär um mir ein eigenes Bild dieser Anlageform zu machen. Deshalb waren die Einsätze auch eher klein.

Deshalb ein Praxisbeispiel: Ich investierte vor einigen Jahren einen kleinen Betrag in MyParfum. Die Geschäftsentwicklung bleibt seitdem hinter den Erwartungen zurück und ich habe mittlerweile die Hoffnung auf großes Wachstum aufgegeben. Letztlich bin ich froh, wenn ich in wenigen Jahren mein Darlehen zurückgezahlt bekomme, an den großen Exit glaube ich hier definitiv nicht mehr. Zugegebenermaßen habe ich sogar einige Sorgen, dass die Liquidität zur Rückzahlung des Darlehens nicht gegeben sein wird.

Auf der anderen Seit gibt es durchaus auch Erfolgsstorys:

Letzte Woche gab das Startup Foodist seinen Exit bekannt. Der Delikatessen-Versand wurde an das Medienhaus Ströer verkauft. Je nach Finanzierungsrunde erzielen die Crowd-Anleger eine Rendite zwischen 19 und 92%. Auch da war ich mit einer (leider) sehr kleinen Summe ab der dritten Runde investiert und kann mich über 19% Rendite in weniger als einem Jahr freuen.

Solche Storys sind aber leider die absoluten Ausnahmen.

Was mich besonders stört, ist die immense Intransparenz. Wer die Veröffentlichungen börsennotierter Unternehmen gewohnt ist, dem kommen die bescheidenen und äußerst selektiven Informationen, die von Seite des Startups den Crowdfundern zur Verfügung gestellt werden, wie eine Blackbox vor. Wenn ich Quartals-Updates erhalte, möchte ich nicht lauter Hochglanzbilder von neuen Produkten oder dem hippen Office sehen, sondern Zahlen und belastbare Kommentare zur Geschäftsentwicklung. Professionelle Risikoinvestoren haben da natürlich eine ganz andere Machtstellung und vollen Datenzugriff.

Nun kann man entgegenhalten, dass Venture Capital sonst für Privatanleger ein schwer zugänglicher Bereich ist und deshalb solche Crowdinvestments das Spektrum erweitern. Das ist korrekt, denn abgesehen von wenigen Aktien von Inkubatoren wie etwa Rocket Internet ist das Thema mit kleinen Beträgen sonst kaum zugänglich.

Doch ich werde mich in diesem Bereich in Zukunft wohl nicht mehr engagieren. Dann doch lieber IPOs von fortgeschritteneren Unternehmen wie windeln.de (zugegebenermaßen bei den derzeitigen News ein eher schlechtes Beispiel). Da gelten Börsenstandards, die Liquidität ist gegeben und Wachstumspotenzial ist auch noch vorhanden. Insofern fällt mein Urteil zu Crowd-Investments dieser Art leider nicht allzu gut aus.  Da ist doch arg viel Liebhaberei dabei.

Immobilienprojekte im weitesten Sinne

Deutlich interessanter finde ich die Crowdfundings mit Immobilienbezug. Das hat verschiedene Gründe: Das Ganze hat sehr viel mehr einen Darlehenscharakter, die Cash-Flows können besser prognostiziert werden, die Zinsen sind höher und es liegen oft werthaltige Sicherheiten vor. Im Unterschied zu den Startups spielen Wertsteigerungen hier eine untergeordnete Rolle.

Anleger, die in Immobilien investieren wollen, können entweder Eigentum direkt erwerben, in REITs investieren oder Anteile an offenen Immobilienfonds kaufen. Die klassische Finanzierung einzelner Projekte geschah früher über geschlossene Fonds, doch dieses Segment ist tot. Doch genau diesen Platz in dem weiten Spektrum zwischen Eigentumswohnung und Fonds nimmt jetzt gewissermaßen das Crowdfunding ein.

Werfen wir kurz einen Blick auf die Charakteristika dieser drei Segmente.

direkter Erwerb

 
  • Eigentum
  • illiquide
  • hoher Aufwand
  • gemischte Renditen
  • hohe Kapitalbindung

Crowdfunding

 
  • Darlehen
  • illiquide, befristet
  • geringer Aufwand
  • hohe Renditen
  • geringe Kapitalbind.

Immobilienfonds

 
  • Eigentum
  • recht liquide
  • geringer Aufwand
  • gemischte Renditen
  • geringe Kapitalbind.

Insofern sehe ich solche immobiliennahen Crowdfundings als gutes Mittelding. Sie sind nicht so illiquide wie Eigentumswohnungen, rentieren aber höher als die großen Immobilienfonds und haben einen Bezug zum Projekt. Durch die niedrigen Mindestanlagen erlauben sie eine viel höhere Streuung als es bei Eigentumswohnungen der Fall ist und ersparen einem den ganzen administrativen Apparat des Immobilienerwerbs.

Nicht verschweigen sollte man jedoch den etwas anderen Charakter. Denn letztlich handelt es sich um Darlehen an den Projektentwickler mit allen einhergehenden Risiken – und nicht um Eigentum.

Praxisbeispiel: Vor einigen Jahren habe ich mich am Hotelprojekt Schloss Weissenhaus beteiligt. Die Laufzeit betrug 6 Jahre, die jährliche Verzinsung 4% + erfolgsabhängiger Bonuszins. Die Besicherung erschien recht solide: Grundschulden und persönliche Bürgschaft des kapitalstarken Hauptinvestors. Der Hotelbetrieb läuft jetzt bereits seit ungefähr zwei Jahren und die Zahlen sind äußerst zufriedenstellend. Ich zweifle nicht daran, dass das Darlehen und die Zinsen zurückgezahlt werden und wage sogar, auf einen Bonuszins zu hoffen.  Es macht Freude, die Auslastung und Zimmerpreise des Hotels steigen zu sehen – natürlich nur nicht als Gast!

Natürlich war das auch risikobehaftet und hätte auch ganz anders ausgehen können. Heiligendamm lässt grüßen. Und dann wäre ein leerstehendes Objekt in der Pampa an der Ostsee vermutlich alles andere als werthaltig gewesen…

Ich persönlich bin geneigt, in Zukunft weitere Gelder in überschaubaren Stückelungen in solche Projekte zu investieren – auch aufgrund der positiven Erfahrungen, die ich bereits gemacht habe.

Ein Anbieter mit einer recht vollen Pipeline ist derzeit Exporo. Es ist nur wichtig, dass Anleger bei den Sicherheit suggerierenden Worten „Darlehen“ und „Immobilien“ das signifikante Risiko solcher Projekte nicht unterschätzen. Man muss sich immer vor Augen führen: Jedes Darlehen, das im aktuellen Zinsumfeld fünf oder sechs Prozent per anno zahlt, ist zwangsläufig sehr risikobehaftet. Ich zumindest fühle mich da auch etwas an den Boom der Mittelstandsanleihen erinnert. Deshalb gilt auch hier: Im Falle eines Engagements klein stückeln.

Was sind eure Erfahrungen in diesem Bereich?


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.