Gerade tobt ja regelrecht die Bargeld-Debatte. Man will den 500-Euro-Schein abschaffen, Bargeldzahlungen auf 5.000 Euro begrenzen oder die lästigen kleinen Münzen loswerden.

Ich selbst bin ein Fan von Kartenzahlungen und genieße es im Ausland sehr, wenn auch bei Kleinstbeträgen die Kreditkarte akzeptiert wird. In Deutschland ist man da vor allem händlerseitig noch sehr abgeneigt. Da frage ich mich immer, ob und wenn ja, warum im angloamerikanischen Raum die Händlergebühren niedriger sind. Ein netter Begleiteffekt ist, dass bei dieser Konsequenz meine Kreditkartenrechnung gewissermaßen ein Haushaltsbuch ersetzt. Die Sorge um den gläsernen Bürger ist für mich verständlich, doch von nachrangiger Bedeutung. Ja, man hat dadurch ein recht genaues Bewegungsprofil von mir und weiß, wo ich meinen Kaffee trinke. Ich bin keinesfalls gleichgültig und die allgegenwärtige CCTV-Überwachung in Großbritannien geht mir beispielsweise tierisch auf den Keks, aber als rechtschaffener Bürger habe ich kein schlechtes Gewissen und die Vorteile überwiegen für mich.

Ich verstehe, wie Menschen am Bargeld hängen und das würde ich auch nicht anrühren. Richtig sinnvoll fände aber ich eine Abschaffung der 1-Cent-Münze, der 2-Cent-Münze und von mir aus gerne auch der 5-Cent-Münze. Ganz so, wie es gerade die Händler in Kleve durch Rundung von Preisen initiiert haben. Ich hasse Kleingeld im Portemonnaie, das trägt in der Sakkotasche unglaublich auf. Und daheim sammeln sich dann bei regelmäßiger Entleerung die Berge an Münzgeld, die irgendwann zur Bank gebracht werden wollen oder sonntags in die Kollekte wandern. Alles irgendwie lästig.

Und sind wir einmal ehrlich zu uns selbst: Spulen wir gedanklich einige Jahrzehnte vor und rufen uns eine Situation vor Augen, in der jemand etwas zahlt. Das Bargeld wirkt in dieser Situation wie ein einziger Anachronismus. Über kurz oder lang wird digitales Geld unser einziges Geld sein.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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