Lars Hattwig von Finanziell Umdenken schrieb kürzlich in seinem Artikel, das man sich ab größerem Vermögen durchaus die Frage stellen muss, ob einem die laufenden Gebühren von ETFs das Geld wert sind oder Einzelaktien vorzuziehen sind. Nämlich dann, wenn die absoluten Kostenbeträge erschreckend groß werden.

Mich irritiert die Debatte etwas, denn die Entscheidung ändert sich mit der Vermögensgröße kaum. Warum das so ist, erfahrt ihr im Folgenden.

ETFs sind bei kleinen Vermögen überlegen.

Richtig ist, dass bei kleinen Anlagebeträgen Einzelaktien keinen Sinn machen, da für ausreichende Diversifikation so wenige Stücke pro Aktie gekauft würden, dass die Handelskosten unverhältnismäßig zu Buche schlagen.

Ich sage immer, dass 1000 Euro die Mindestgröße pro Position schon sein sollten, denn wer günstig handelt, zahlt so schon ca. 1,2% für den Roundtrip (Kauf & Verkauf). Wer mindestens 30 Aktien aus Diversifikationsgesichtspunkten für erstrebenswert erachtet, sollte also bei einem Anlagebetrag von unter 30.000 Euro aus Kostengesichtspunkten zu Fonds greifen.

Rationale Vorgehensweise bringt anderes Ergebnis

Bei darüber hinausgehenden Beträgen erübrigt sich meiner Meinung nach aber die Debatte. Denn: Wenn man rational denkt, dann spielen nicht die absoluten Kosten eine Rolle, sondern nur die relativen. Und die verändern sich nun einmal überhaupt nicht mit der Größe es Anlagebetrages. Wenn der Millionär im Jahr 2.000 Euro an Verwaltungskosten zahlt, ist das zwar ein sportliches Sümmchen, doch relativ eben immer noch 0,2%.

Da trügt vielleicht der Blick von unten, denn wir weniger Vermögenden haben da ja ganz klar einen Bias in der Wahrnehmung. Ich kann jedoch bestätigen, dass vermögende Menschen weiter in relativen Größen denken. Nur so ist auch erklärbar, dass ehemalige Kunden von mir auf Beträge von 10 Mio. Euro für das aktive Management 1% Verwaltungsgebühr gezahlt haben, ohne mit der Wimper zu zucken. Da reden wir im Jahr über eine kleine Eigentumswohnung an Management Fees. Wie gesagt: Die Wahrnehmung bleibt relativ und das ist gut, da rational.

Meine Praxiserfahrung als Portfoliomanager

Wir haben in der Bank auch bei Multi-Millionen Vermögen noch ETFs eingesetzt. Genau genommen werden ETFs bei größeren Vermögen sogar noch günstiger, da man bei Ordergrößen im niedrigeren Millionenbereich im direkten Kontakt mit den Emittenten handeln kann und die Broker dir sehr gute Preise machen, die am oder gar unterm Inventarwert liegen. Den Spread des kleinen Mannes spart man sich also.

Jetzt mag man sich fragen, warum wir denn überhaupt bereit waren, bei solchen Vermögen selbst die allergünstigsten 9 Basispunkte im Jahr zu zahlen, wenn doch Aktien gleichzeitig kostenlos sind.

Nun zum einen darf man nicht vergessen, dass man für den Aktienhandel Gebühren zu zahlen hat, die sich nicht unbedingt runter skalieren. Der reine Handel bleibt also teuer.

Zum anderen waren uns auch bei großen Vermögen die Diversifikationsvorteile die 10/20 Basispunkte im Jahr absolut wert. Denn der potenzielle Schaden einer niedrigeren Diversifikation ist um ein Vielfaches höher als diese 10 Basispunkte.

Ja, der marginale Diversifikationsgewinn pro Titel wird schon ab 30-40 Aktien recht klein. Doch ein ETF-Portfolio besteht regelmäßig aus über 1000 Titeln und das Diversifikationsdelta zwischen 30 und 1000 ist eben kein Pappenstiel. Dieser Vergleich ist realistisch, denn ich habe noch nicht viele Kundenportfolios gesehen, in denen mehr als 50 Einzelaktien liegen. Das macht einfach kein Mensch – auch kein Vermögender, der aus Kostengesichtspunkten viel weiter streuen könnte. Der Aufwand, hinter 200 Einzeltiteln hinterher zubleiben, ist einfach viel zu groß. Idiosynkratische Risiken wollen nämlich gemanagt werden!

Fazit

Vermögende denken auch in relativen Größen und deshalb spricht auch in diesen Fällen nichts gegen ETFs. Die Nachteile geringerer Diversifikation mit Einzelaktien, zu der es immer kommen wird, sind die kleine Ersparnis von zehn oder 20 Basispunkten nicht wert. Natürlich kann man dennoch in Einzelaktien investieren, doch dann bitte nicht aus Kostengründen.

Pin It on Pinterest

Shares