Seit gestern ist bekannt, dass der Online-Broker flatex zum 15. März Negativzinsen auf die Verrechnungskonten einführt – und zwar in Höhe von gesalzenen 0,4% p.a..

Das trifft mich hart, da nicht nur ich dort unter anderem Depots unterhalte, sondern ich den Broker auch immer sehr guten Gewissens anderen empfohlen habe, die dort beträchtliche Cash-Summen liegen haben.

Auch wenn die eigentliche Entscheidung vor dem Zinshintergrund natürlich verständlich ist, so finde ich die Kommunikation allerdings sehr ungünstig. Gestern stand es in der Presse, die Kunden werden aber erst in einigen Tagen per Brief informiert und haben dann nur noch wenige Tage um überhaupt zu reagieren. Das ist nicht galant gelöst.

Ich weiß auch nicht, ob flatex sich dadurch einen Gefallen tut. Klar, viele werden einfach das Cash abziehen, was flatex pro Kunde im Jahr um angeblich ca. 40 Euro an Strafzinsen entlastet. Doch dabei wird es ja nicht bleiben: Ich gehe davon aus, dass etliche Kunden auch ihre Depots kündigen werden. Manche aus Frust gegen die „Enteignung“, andere, weil sie durch Verkäufe immer wieder mal Geld zwischenparken müssen.

Was haben Kunden jetzt für Alternativen? Sie können das Depot kündigen, aber die Konditionen sind ja immer noch sehr gut – das wäre also schade. Es kommt auf das persönliche Handelsverhalten an, ob ein anderer Anbieter eine gute Alternative wäre. Ich zum Beispiel fahre seit Jahren zweigleisig und tätige Geschäfte in Einzelaktien und Derivaten über Lynx*. Nur Lynx erhebt nur Negativzinsen für Guthaben über 100.000 Euro. Einen umfassenden Vergleich könnt ihr über den Rechner anstellen.

Für alle, die die günstigen, ja teils kostenlosen ETF-Sparpläne dort nutzen, gibt es eine vernünftige Lösung.  Man kann einstellen, dass die monatlichen Käufe nicht vom Cash-Konto, sondern per Lastschrift vom Referenzkonto einer Drittbank eingezogen werden. Dabei gibt es jedoch zwei Haken: Anscheinend muss man bestehende Sparpläne stornieren und neu anlegen, um die Kontoverbindung zu ändern. Zum anderen gilt dieses Lastschriftverfahren nur für Beträge bis 1000 Euro im Monat, dürfte also vielen nicht ausreichen.

Was in meinen Augen keine Alternative ist, auch wenn flatex sicher auf diese Wirkung hofft, ist der integrierte Service Zinspilot. Flatex kooperiert seit einiger Zeit mit Zinspilot, so dass man ohne gesonderte Kontoeröffnung aus dem Online-Banking heraus Tages- und Festgelder in Europa anlegen kann. Ein Tagesgeld zu 0,2% der Hanseatic Bank ist gerade im Angebot, ebenso wie Festgelder von Close Brothers, der FIMBANK und der Austrian Anadi Bank. Das ist für mich nicht wirklich eine Alternative und auch nicht für viele andere, die diesen auf der europäischen Einlagensicherung basierenden Anbietern etwas kritisch gegenüberstehen.

Jeder Anleger muss selbst analysieren, wie er flatex nutzt und ob durch leichte Änderungen die negativen Auswirkungen abgemildert werden können – oder ob letztlich nur die Kündigung bleibt. Ich für meinen Teil werde sämtliches Kontoguthaben in den nächsten Tagen abziehen und dies auch anderen raten. Für die wirklich günstigen Sparpläne werde ich das Referenzkonto ändern, wobei da leider die Limitierung auf 1000 Euro pro Monat besteht.

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

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