Es steht derzeit überall in den Zeitungen. Das Rentenniveau ist auf Talfahrt. Wenn nicht reformiert wird, wird es von heute knapp 48% des Durchschnittseinkommens innerhalb der nächsten 20 Jahre auf unter 43% fallen. Kommt es zur Reform, macht das die Sache aber eigentlich nicht besser. Denn ein halbwegs stabiles Rentenniveau wird durch steigende Beitragssätze finanziert. Man stellt hier in den nächsten 14 Jahren ungefähr 5% weniger vom Nettoeinkommen in Aussicht, verliert das Geld also letztlich an anderer Stelle und das sofort.

Wo führt das Ganze nur hin? Die Omas wollen einfach nicht sterben und in den Betten der jungen Generation herrscht Flaute.

So schnell, wie die gesetzliche Rente sinkt, kann man die Lücke ja gar nicht stopfen. Das gilt zumindest für Frau Müller. Und Frau Müller ist das Land. Doch lest selbst:

Frau Müller ist 40 Jahre alt und verdient 4000 Euro netto im Monat, ihr mittleres Einkommen über ihr Erwerbsleben betrug bisher 3000 Euro netto. Nun sinkt ihre monatliche Rente um 5% dieses Betrages, das sind 150 Euro im Monat oder 1800 Euro im Jahr. Sie muss also aus anderen Quellen einen jährlichen Cashflow von 1800 Euro erwirtschaften.

Nun ist nicht nur Frau Müllers Nachname sehr durchschnittlich, sondern auch ihr Anlageverhalten. Nehmen wir ein Nettozinsniveau von 1,5% und keine Steueränderungen zum Renteneintritt an, dann muss sie weitere 167.000 Euro zurücklegen, um diese Lücke zu schließen.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Diese eine Nachricht sorgt dafür, dass Frau Müller 167.000 Euro mehr zurücklegen muss. Sie müsste eigentlich vor Schreck vom Stuhl fallen. Da sie aber so durchschnittlich ist, bleibt sie sitzen.

Frau Müller verdient ein sehr überdurchschnittliches Einkommen. Doch da sie eben nun mal Frau Müller ist, spart sie 10% ihres Einkommens, denn das ist der deutsche Durchschnittswert. Sind bei der Müller also 400 Euro im Monat. Bei 1,5% Zinsen braucht sie ganze 29,5 Jahre, um die nur durch diese Nachricht entstandene Rentenlücke zu schließen.

Ihr Nachbar, Herr Burdilus hat das gleiche Problem. Doch eigentlich ist sein Problem noch viel größer, er verdient nämlich einen schlanken Tausender weniger als Nachbarin Müller. Sein durchschnittliches Erwerbseinkommen lag bei 2.250 Euro, 5% weniger Rentenanspruch sind also 112,50 Euro p.m. bzw. 1.350 Euro p.a..

Aber: Abgesehen vom Einkommen ist Herr Burdilus alles andere als durchschnittlich. Er spart sich nicht nur die Kaffeekapseln nach Schweizer Art von der Müller, sondern auch ihr ach so schickes BWM Zweier Cabrio, für dessen Leasing sie im Monat 490 Euro abdrückt. Und so schafft es Herr Burdilus 25% seines deutlich geringeren Einkommens zu sparen. Sind im Monat 750 Euro.

Da er nun wirklich überhaupt nicht durchschnittlich ist in seiner Ablehnung Schweizer Kaffeekapseln, investiert er das Geld mit etwas Pepp am Aktien- und Rentenmarkt und kann im Jahr mit 5% Rendite rechnen. Deshalb sind die 1.350 Euro im Jahr auch schnell erwirtschaftet. 37.500 Euro Vermögen wirft den Betrag bei seinem Anlagestil schon ab.

Burdilus braucht noch nicht einmal vier Jahre, um die bei der heutigen Zeitungslektüre aufgetane Rentenlücke zu schließen. Seine Nachbarin braucht 30 Jahre, kann sich dafür beim Warten aber die Sonne aufs Haupt scheinen lassen.

Nun ist das so, dass sich die Müller für den Burdilus ein bisschen schämt. Denn Frau Müller gehört ja ganz eindeutig zur gehobenen Mittelschicht. Der Burdilus fährt aber immer mit dem Fahrrad zur Arbeit und hat sich in den Garten hinterm Haus auch noch keinen Schwimmteich gebaut. Die Müller tuschelt mit der anderen Nachbarin, Frau Schmidt, schon immer hinter vorgehaltener Hand darüber, wie der Burdilus mit seiner einfachen Art die Atmosphäre in der ganzen Strasse runterzieht.

Herrn Burdilus wird’s zu viel, er kann die Schnepfe nicht mehr ausstehen. Deshalb überlegt er schon heute, in einen anderen Vorort zu ziehen, wo seine Nachbarn Friseure und Handwerker sind. Er würde dort 200 Euro an Miete sparen und  – welch Überraschung – auch die nächste Rentenlücke in Kürze stopfen können.

Denn eines ist gewiss: Sie kommt bestimmt.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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