Ich lese gerade „The Millionaire next door“ von Stanley & Danko und bin ziemlich begeistert. Ein wirklich lesenswerter Klassiker.

Die Autoren wollten Amerikas Reiche erforschen, doch wunderten sich, dass sie dort wo sie suchten, eigentlich kaum welche fanden. Sie schauten in den teuersten Wohngegenden des Landes nach und in den Einfahrten mit den größten Autos. Doch dort fanden sie nur die Hälfte der Reichen im Land und sonst vor allem eines: viele Blender. Die andere Hälfte der Millionäre lebt bescheiden, wahr schwerer zu finden und genau die, von denen man den Wohlstand auf den ersten Blick nicht erwartet hätte. Eben die Millionäre, die unscheinbar nebenan wohnen.

Aus unzähligen Interviews mit den Millionären erfuhren sie unschätzbare Erkenntnisse über deren Einstellungen zu Geld und Konsum, die jedem mit Ambitionen eine Lehre sein sollten.

Die drei wichtigsten Stellschrauben für finanzielle Unabhängigkeit sind wenig überraschend: (1) Die Wahl des richtigen Berufs, (2) ein bescheidener Lebensstil und (3) die Generierung passiven Einkommens.

Die Berufswahl

Ein alter Hut: Viele Wohlhabende sind unternehmerisch tätig oder Freiberufler, ein eher kleinerer Teil sehr sparsame Angestellte in (leitenden) Positionen. Das ist wirklich nichts Neues. Interessant sind eher die Erkenntnisse über Veränderungen zwischen verschiedenen Generationen. So haben sie herausgefunden, dass die Kinder erfolgreicher Unternehmer häufig ganz andere Wege einschlagen und das auf Initiative der Eltern. Die Eltern sehen ihren eigenen Erfolg auch als eine Folge von viel Glück (nur wenige Unternehmer überleben längerfristig) und sind realistisch genug, um zu wissen, dass ihren Kindern der Erfolg nicht garantiert ist und die Statistik gegen sie spricht. Deshalb drängen viele Kinder von diesen Machertypen in sehr akademische Berufsfelder wie Recht oder Medizin.

Ein bescheidener Lebensstil

Auch das ist grundsätzlich wenig verwunderlich, doch das Buch unterlegt das mit eindrucksvollen Zahlen. Die Autoren haben sich dabei besonders auf den Autokauf versteift. Millionäre lehnen Leasing ab und zahlen in den allermeisten Fällen nicht mehr als 30.000 US-Dollar für ihr Automobil. Teurere Importfahrzeuge werden in vielen Fällen von hyperkonsumierenden oberen Mittelschichtlern gefahren. Diese Linie zieht sich durch bis zur Kleidung. Die Befragten gaben an, nur sehr überschaubare Beträge für Anzüge und Schuhe auszugeben. Das Geld für teure Privatschulen spart man sich oft. Und vielleicht der wichtigste Punkt: Wer in einem mittelständischen Umfeld lebt, verspürt nicht ständig den Drang, mit den Smiths mithalten zu müssen. Empfundener Wohlstand ist ja sehr relativ.

In dem Zusammenhang möchte ich euch mein Lieblingszitat und eine Schlüsselbotschaft nicht vorenthalten: „Sucht euch eine sparsamere Ehefrau, alles andere führt ins Verderben!“ Die untersuchten Haushalte mit unterdurchschnittlichem Wohlstand trotz hohen Einkommens wiesen häufig Diskrepanzen in den Konsumgewohnheiten der beiden Ehepartner auf.

Überschüsse anlegen

Im Buch geht es explizit nicht ums Investieren. Das ist mehr ein Randthema. Doch als rote Linie zieht sich durch,  dass der wichtigste Punkt ist, unter seinen Möglichkeiten zu leben und gleichzeitig nach finanzieller Unabhängigkeit statt nach Status zu streben. Und dazu gehört nun einmal, die Überschüsse anzulegen. Ob dies nun Immobilien, Qualitätsaktien oder Pensionspläne sind, spielt in dem Buch überhaupt keine Rolle. Nur eins ist wichtig: Wohlstand korreliert direkt mit der Menge Zeit, die man sich mit seinem Geld beschäftigt. Das umfasst insbesondere den Haushalts- und Budgetplan, dem äußerst viele Wohlhabende folgen, sondern auch die Beschäftigung mit sich bietenden Anlagechancen.

Kennt ihr (Männer) die Situation, dass ein Technikkauf ansteht und man Stunden um Stunden mit der Produktrecherche zubringt? Wie oft habt ihr euch schon am allerletzten Ende der 120 Amazon-Bewertungen eines Produkts wiedergefunden? Wohlwissend, dass die ersten zehn vermutlich 80% der wichtigsten Punkte schon abdeckten?

Oder an die Damenwelt: Wie oft habt ihr nach langer Online-Selektion schon Mode bestellt, obwohl dann doch kein Stück gefällt und man sich noch bei der Post in die Retourenschlange stellen darf? Und wieviele Stunden habt ihr auf Pinterest & Co verbracht, auf der Suche nach der neuen Wohnzimmereinrichtung?

Diese Tätigkeiten kosten viele Stunden. Und ja, sie machen vielen Menschen auch eine Menge Spaß. Teilweise ist die Freude am Prozess gar höher als die Freude am Resultat. Doch letztlich werden Unmengen Zeit in einen Kauf eines abzuschreibenden Gutes investiert, das an Wert verliert.

Stanley & Danko haben herausgefunden, dass überdurchschnittlich wohlhabende Menschen Zeit an diesen Ecken sparen und sie in Tätigkeiten investieren, die ihren Wohlstand erhöhen. Das wäre zum einen Arbeit an sich oder die Wohlstands- und Haushaltplanung. Aber besonders ist der Kauf von Investitionsobjekten gemeint, deren Wert eben nicht abgeschrieben werden muss. Der viele Aufwand, der dort hinein fließt, gipfelt wiederum in viel besseren Anlageresultaten als die der erstgenannten Konsumgruppe.

Zu guter Letzt entlarven die Autoren noch ein Mysterium: Erbschaften spielen in der Masse der Wohlhabenden keine besondere Rolle. 80% der amerikanischen Millionäre haben den Wohlstand in der eigenen Generation erworben. Und das weder durch Lottogewinn, Sponsor-Verträge oder Spekulation, sondern durch planhaftes Sparen, Konsumbeschränkung und Einkommensmaximierung.

Und daher auch der Titel dieses Artikels. Texaner haben diesen wunderbaren Ausdruck für Blender:  „Big hat, no cattle“. Hübsche Fassade, nichts dahinter. Das ist das ganze Buch in vier Wörtern.

Wer jetzt Lust bekommen hat: Hier geht’s zum Buch.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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