Der Dax steht steht bei 10.600 Punkten, die US-Börsen markieren Allzeit-Hochs und die Emerging Markets notieren zumindest auf dem höchsten Stand seit einem Jahr.

Wer sich zu dieser Zeit für den Aufbau eines ETF-Weltportfolios entscheidet, steht also grundsätzlich vor der schwierigen Entscheidung, ob zu diesen Kursen noch gekauft werden sollte.

Eines steht außer Frage: Die Frage des Timings stellt sich bei einem Aktiensparplan nicht, denn genau das ist ja der Sinn dahinter. Wer aber derzeit eigentlich zu wenig Aktien hat und deshalb einen Einmalbetrag investieren möchte, den kann diese Frage durchaus plagen. Denn: Wer teuer einen großen Betrag kauft, wird die Durchschnittskosten nur am sehr langen Horizont gesenkt bekommen.

Die Lehrmeinung

Nach geltender Lehre folgen Aktien dem Random Walk, ihre Kursentwicklung ist also zufällig. Dies verneint jeden Versuch, einen günstigen Einstieg zu erwischen, da Market Timing in dem Modell nicht funktioniert.  Aktien liefern eine erwartete Risikoprämie X auf die risikolose Anlage, deshalb macht es am meisten Sinn, den Betrag so schnell wie möglich zu investieren, da man ab dann mit einer höheren erwarteten Rendite rechnen kann.

Der Faktor Mensch

Abweichend von dieser Lehrmeinung verstehe ich jedoch nur zu gut, dass man auf relativem teurem Niveau nicht unbedingt ein Einmalinvestment in größerer Höhe tätigen möchte. Ich selbst glaube auch, dass man die Chance haben wird, günstiger als bei 10.800 Punkten im Dax einzusteigen. Ich bin zwar kein Trader, bin bei großen Einmalanlagen aber an einem günstigen Einstiegskurs interessiert. Die letzte Rezession war 2009, wir sind im siebten Jahr der Hausse. Auch die Geldpolitik wird irgendwann wieder straffer werden (was im ersten Schritt freilich nur ein Ende der Käufe bedeutet).

Ich bin der Meinung: Große Beträge sollte man nicht in einem tendenziell spätzyklischen Markt anlegen. Das entbehrt zwar jeder Grundlage und viele kennen auch die Situation, dass ein Markt nach einem Hoch einfach weiterläuft und bei der irgendwann folgenden Korrektur mit Glück auf das frühere Hoch zurückfällt. Das war in den letzten Jahren eine recht häufige Beobachtung.

Mir geht es hier nicht darum, den Advokat der Trader zu spielen. Ein einmal aufgebautes Engagement in Aktien wird bestenfalls gehalten. Denn es erscheint zwar einfach, die langfristigen Zyklen zu handeln – letztlich gelingt es aber doch nur wenigen. Man wird im Zweifel weit vor dem Hoch liquidieren und das Tief für den Wiedereinstieg verpassen. Darum geht es mir hier wirklich nicht. Dennoch halte ich Gedanken über die Terminierung eines größeren Kaufs für legitim.

Denn es ist ungemein beruhigend, nach einem Kursrückgang von 30% oder gar 50% einzusteigen und zu wissen, dass höhere Bewertungen schon einmal gerechtfertigt waren und damit potenziell für die Zukunft ebenfalls wider vorstellbar sind.

Drei Alternativen

Letztlich gibt es ja nur drei Alternativen:

  • (1) Man tätigt das Einmalinvestment sofort in Glauben an die Lehrmeinung.
  • (2) Man kann die monatlichen Sparpläne temporär erhöhen, bis das Guthaben investiert ist.
  • (3) Oder man wartet auf einen Kursrückgang und kauft dann – auch wenn das Jahre dauern kann.

Letztlich ist es Geschmacksache. Der Anleger muss sich dabei wohlfühlen. Obwohl ich der Lehrmeinung als Finanzwissenschaftler recht nahe stehe, würde ich mich nicht wohl dabei fühlen, die Hälfte des Vermögens bei den aktuellen Kursen in Aktien zu investieren. Wem ein 20% günstigerer Einstieg fürs gute Gefühl reicht, wird ja auch nicht allzu lange warten müssen – Dellen gibt es immer wieder.

Der Psychotrick

Die Kompromisslösung wäre die Kombination aller drei Ansätze. Man gönnt dem Aktiendepot also ein Startgeld, erhöht die monatlichen Sparpläne temporär und investiert den dann noch verbleibenden Teil bei tieferen Kursen. Das wäre ein psychologischer Trick, da man es dann nie gänzlich falsch gemacht haben wird, egal wie sich die Kurse entwickeln. (Natürlich hat man es dann auch nie ganz richtig gemacht…)

Dieser Trick wird im Bankwesen gerne angewandt, da man sich dann als Berater vorm Kunden immer auf etwas berufen kann. Wenn ich mir unsicher bin und eine halbe Position (ver-)kaufe, dann war ich dabei, wenn die Kurse steigen und kann dennoch günstiger nachkaufen, wenn die Kurse fallen. Der Ansatz wäre mir zu unentschlossen und ist auch ziemlich unprofessionell, führt aber dazu, dass alle Parteien das Gesicht wahren.

Wer also einerseits glaubt, dass günstigere Kurs kommen werden, aber dennoch die Lehrmeinung im Hinterkopf hat, der kommt so vielleicht aus seiner psychologischen Bredouille.

Wie seht ihr das Thema? Ich freue mich über eine rege Debatte in den Kommentaren, genauso wie ein Like rechts nebenan.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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