In der Financial Times erschien am 12. Februar ein Artikel von Aime Williams über die missliche finanzielle Lage von sogenannten Millenials, also der in den Achtziger Jahren geborenen Menschen. Die Autorin sieht junge Menschen die Universität mit einem Berg von Schulden verlassen und anschließend einen hedonistischen Lebensstil führen, anstatt  für das Alter vorzusorgen.

Doch das ist verständlich und auch überhaupt kein Problem! Hier ein Plädoyer dafür, bitte genauso weiterzumachen:

Eine Erlebniskultur ist nichts Schlechtes

Auch wenn einen frühe Sparsamkeit in eine beeindruckend gute Ausgangsposition bringen kann (Mit 20 Jahren 30.000 Euro auf dem Konto), so kann ich doch nicht von jedem erwarten, derart dem Kontosaldo zu dienen.

„By prioritising short-term spending over long-term saving, they may well be storing up problems for their own future.“

Wenn nach dem (entbehrlichen) Studium erst einmal konsumiert wird, dann finde ich das nur allzu verständlich. Man ist ungebunden, verfügt meist das erste Mal über nennenswertes, eigenes Einkommen und wann, wenn nicht jetzt, sollte man tolle Reisen unternehmen?!

In den Lebensläufen junger Menschen schiebt sich doch sowieso viel nach hinten. Kinder, Ehe, Haus. Aber warum auch alles vor dreißig erreichen, wenn heute jedes zweite Kind über 100 wird?

Die alten Vorsorgemodelle greifen nicht mehr

Wegen der Zinseszinsen früh fürs Alter vorzusorgen, ist für die „Generation Nullrendite“ ein schlechter Witz. Ohne Rendite und ohne Inflation sind die heutigen 10.000 Euro in ein paar Jahren genauso viel wert – da rennt einem definitiv nichts weg. All die lehrbuchartigen exponentiellen Charts („Wer früh anfängt, hat später XYZ mehr“) stammen aus einer anderen Zeit. (Ja, ich weiß, dass diese Charts für Aktienanleger durchaus noch gelten mögen, aber wie viele Menschen sorgen in dieser Assetklasse fürs Alter vor? Hierzulande jedenfalls eine Minderheit.)

„For many, the thought of retirement seems so dim and distant the temptation is to opt out of the pension.“

Ganz ehrlich: Auch wenn die Bundesregierung hinsichtlich der Rente mit 63 eine linke Phantasie verfolgt, so dürfte den meisten jungen Menschen doch klar sein, dass sie deutlich länger arbeiten müssen. Also ja, die Verrentung ist in schummriger Ferne! Interessanterweise kenne ich niemanden, den das stört…

Die Lage ist nicht überall so schlecht wie in Großbritannien

Einige der besprochenen Probleme sind nicht von Großbritannien auf Deutschland übertragbar. In Deutschland ist das Studium kostenfrei und so ist die Schuldenlast der meisten Absolventen nicht mit der in Großbritannien zu vergleichen. Und auch wenn der Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten angespannt und teuer ist, so ist er nicht mit London zu vergleichen. Als Absolvent kann man sich in Deutschland 1-2 Zimmer in zentraler Lage leisten. Auch ist unser Arbeitsmarkt nicht so zentralisiert, wie es in Großbritannien und Frankreich der Fall ist.

Die Autorin meint, das Wohneigentum nicht mehr erschwinglich sei. Das ist in London so, aber hat sie auch darüber nachgedacht, dass das eigene Haus in einer Generation, der Nutzen statt Besitzen immer wichtiger ist, gar kein Ziel sein muss?

Die Autorin sieht die Reallöhne erodieren, aber bei Deflationssorgen und vernünftigen Tarifabschlüssen wohin man blickt, sehe ich dies nicht wirklich bestätigt.

Ich glaube wirklich, dass man sich heute ohne Probleme fünf Jahre geben kann. Das Kind kommt fünf Jahre später und arbeiten werden wir auch fünf Jahre länger. Warum also bei Menschen unter dreißig das Schreckgespenst der Altersarmut an die Wand malen? Wenn ihr heute nicht spart, werdet ihr in … äh…50 Jahren hungern!? Glaube ich nicht wirklich.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.