Ich bin gerade mal wieder auf einem Minimalismus-Trip.

Kennt ihr das, wie Minimalismus manchmal in Schüben kommt? Ganz unabhängig davon, ob die Sau gerade generell durchs Dorf getrieben wird oder nicht. Man ist elf Monate sparsam, nur um dann im zwölften Monat über die Stränge zu schlagen, 1000 Euro im Monat in der Gastronomie lässt und sich noch zwei Anzüge kauft, die man eigentlich nicht braucht.

Gerade läuft es aber gut. Ich habe das ganze Jahr noch keinen Euro für Mode ausgegeben, abgesehen von Verschleißartikeln. Man hat doch ohnehin alles zehnfach. Diese Woche habe ich eine absolute No-Spend-Week ausgerufen und außer Lebensmitteln tatsächlich keinen Cent ausgegeben. Fühlt sich gut an – war aber primär als Bestrafung oder Kompensation gedacht, weil ich in der Vorwoche einen Flug verpasst habe und knapp 400 Euro für eine einfache Kurzstrecke berappen durfte – autsch!

Diese Woche ist also Extrem-Minimalismus angesagt und ein bisschen Mindfulness passt ja auch super zum Wetter. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einer kleinen Rösterei bei mir ums Eck am Fenster und draußen tobt ein Herbststurm – I love it!

Nach einer Woche stöbern in der Mindfulness-Minimalism-Sphäre habe ich einiges Neues entdeckt, was ich meinen Lesern nicht vorenthalten will.

 

Tristan Harris.

Es gibt da einen interessanten jungen Herrn, der ehemals im Laufrad eines Silicon-Valley-Giganten steckte. Heute prangert er Software-Design an, das sich vom Nutzen für den Nutzer entfernt hat – vor allem in puncto ständiger Ablenkung. Auf seiner Seite timewellspent.io bekommt man etliche Impulse und nette Gadgets.

Mein Favorit ist Flux, ein Add-on für Windows und Mac, das nach Sonnenuntergang automatisch und graduell den Anteil des blauen Lichts auf dem Bildschirm reduziert. (Ihr kennt vielleicht die vergleichbare Nightshift-Funktion auf dem iPhone). Das ist nicht nur deutlich angenehmer für die Augen, sondern hilft auch beim Einschlafen, da dem Körper kein Tageslicht vorgegaukelt wird. Klare Empfehlung – kostet keinen Cent.

Wer tiefer einsteigen will: Sein Ted-Talk ist durchaus sehenswert.

 

Minimalismus-Blogs.

Es gibt leider sehr wenige deutsche Formate zum Thema Minimalismus – insbesondere die Amerikaner sind da weiter. Liegt wohl daran, dass es im durchschnittlichen Ami-Haushalt auch mehr weg zu minimalisieren gibt…

Anyway, ich habe jedenfalls eine Übersicht 14 wirklich schöner Blogs gefunden. Die beiden erstgenannten, The Minimalists, sind mir schon öfter begegnet und sehr mitreißend! Gute Story!

 

Die Zukunft des Wohnens.

Ich mache mir in letzter Zeit zunehmend Gedanken über die Zukunft des Wohnens. Wir leben in seltsamen Zeiten – in den Städten explodieren die Immobilienpreise, auf dem Land herrscht Leerstand. Auch mit Blick in meine Heimat, einer recht strukturstarken Gegend nördlich vom Taunus, beobachte ich Seltsames. Im Dorfkern stehen Gebäude leer, stattdessen werden Felder am Dorfrand zu Neubaugebieten erklärt und junge Familien zwängen sich auf kleine Grundstücke nebeneinander. Mal ganz abgesehen davon, dass die Lebensqualität mehr als zweifelhaft ist, wenn die Wand meines Nachbars zwei Meter neben meiner eigenen ist, verstehe ich auch die Gemeinden nicht. Die Dörfer werden enthöhlt, eigentlich müsste man die alten Gebäude abreißen. Eine absolut unnötige Versiegelung von Flächen!

Gleichzeitig gibt es da draußen Unmengen richtig spannender Wohnkonzepte. Ich bin schon seit Jahren ein Fan von Container-Häusern oder modularem Bauen allgemein. Die Vorteile sind gewaltig: Günstiger in der Herstellung, Sicherstellung von Energie-Effizienz, Teil-Autarkie mit Solar auf dem Dach und vielleicht der größte Vorteil: Flexibilität.

So kann nicht nur auf Individualebene  flexibel auf Platzbedürfnisse reagiert werden (pro Kind ein Modul mehr und dann wieder weg), sondern es kann auch auf Gesamtmarktebene lokales Angebot mit lokaler Nachfrage viel besser austariert werden – weil der Wohnraum beweglich wird.

Ich sehe hier ganz klar die Gemeinden in der Pflicht, Bebauungspläne zu lockern um solch kubische Bauten häufiger zuzulassen. Auch kann es nicht sein, dass man auf der einen Seite über den Wohnungsmarkt klagt, auf der anderen Seite aber Konzepte erschwert, die Linderung verschaffen. Ich denke da vor allem an die Besitzer von Tiny Houses, die es in vielen Bundesländern nicht einfach haben, sesshaft zu werden, auf Campingplätzen zu überwintern, normale Grundstücke dauerhaft zu besetzen etc.

Wir sollten froh sein, dass wir solche Avantgardisten haben, die anderen Menschen ökologisch und ökonomisch Beeindruckendes vorleben. Sie tun keinem weh, fügen keinen Schaden zu. Ganz im Gegenteil. Die meisten Menschen sind einfach nicht mutig genug. Einfach schade.

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