Ich verstehe nicht, wie manche Menschen sehenden Auges ins Unheil rennen.

Die Ablehnung gegenüber Finanzthemen ist so dermaßen groß, dass ich häufig in Gesprächen in die folgende Situation komme.

Beispielsweise sprach ich letztens mit einem Ehepaar mittleren Alters, das gut verdiente. Das Ehepaar hatte durchaus ein hohes Nettovermögen, wenn auch deutlich weniger, als möglich gewesen wäre.

Stattdessen lebten sie von der Hand in den Mund, hatten keinerlei Sparsystematik und ein Gottvertrauen darauf, dass am Ende des Monats schon etwas übrig bleiben würde.

Erste Ideen von mir

Im Gespräch mit ihnen legte ich dar, welche Schrauben ich an ihrer Stelle etwas anders stellen würde. Dazu gehörte das Sparen in ein ETF-Portfolio. Das Ehepaar hatte aber so viel Gelder in Sparprodukten liegen, dass ich Ihnen ebenfalls dazu riet, sich einmal mit dem Gedanken einer Eigentumswohnung auseinanderzusetzen. Eine vermietete Einzimmerwohnung in einer mittelgroßen Uni-Stadt in der Nähe für 75.000 Euro Kaufpreis würde wunderbar ins Portfolio passen. Ich habe das für sie mal ausgerechnet. Mit 25.000 Eigenkapital und gut 50.000 Euro Kredit lässt sich das bei fixen 1,5% Zinsen bis zum Ende des Berufslebens finanzieren. Mit ein bisschen Suche findet man auch heute noch Objekte, die hohe Eigenkapitalrenditen abwerfen. In dem Fall waren es gut 10% pro Jahr.

Ich schlug dem Ehepaar genau das vor und erntete vor allem Missverständnis. Zum einen haperte es am Verständnis der grundlegenden Zusammenhänge, beispielsweise das der Mieter Hausgeld, Zins und Tilgung zahlt und das Investment für das Ehepaar im Normalfall cashflow-positiv ist.

Zudem streuten sie sich davor, noch einmal eine Immobilie zu finanzieren, da man sich ja das Eigenheim über viele Jahre mühsam abgespart hatte. Wie kann man nur freiwillig nochmal einen Kredit aufnehmen wollen? Beim reinen Gedanken daran fühlte sich die Ehefrau nicht wohl.

Der Arbeitsaufwand

Der Mann war von der kritischen Sorte und sah vor allem die Arbeit, die eine Wohnung verursachen würde. Das ist absolut richtig, eine Eigentumswohnung macht Arbeit – mehr als jede andere Assetklasse. Fragen der Instandhaltung, des Mieterwechsels und der laufenden Verwaltung kommen auf einen zu. Im besten Fall hat man aber auch über einige Jahre absolute Ruhe mit der Wohnung, während das Geld fließt.

Letztlich ist die Arbeit aber auch etwas Positives. Schließlich bedeutet sie, dass man selbst Einfluss auf das Investment nehmen kann. Das ist bei den wenigsten Investitionen der Fall. Aktien bringen keinen signifikanten Einfluss, außer man hält eine größere Stückzahl. Bei Immobilien kann man aber aktive Entscheidungen treffen, die beispielsweise die Vermietbarkeit verbessern. Ebenso führt der höhere Zeitaufwand ja auch zu einer Rendite, die deutlich höher sein kann. Für 10% Eigenkapitalrendite investiere ich doch gerne ein paar Stunden Arbeit im Jahr.

Nicht repräsentative Einzelfälle

Ebenso war der Mann von der Sorte Mensch, die immer Beispiele aus dem eigenen Dunstkreis heranziehen und irrationalerweise als allgemeingültig ansehen. Die Wohnung eines Freundes war abgebrannt und es gab Scherereien mit der Versicherung und monatelangen Mietausfall. Ein anderer Bekannter hatte vor 15 Jahren Geld mit geschlossenen Immobilienfonds verloren, weil man nachträglich herausgefunden hatte, dass der Boden unter einem Objekt belastet war und teuer ersetzt werden musste.

Mal ganz abgesehen davon, dass ein geschlossener Immobilienfonds auf ganz vielen Ebenen nicht vergleichbar mit dem vorgeschlagenen Investment ist, führen diese Anekdoten doch sowieso zu nichts. Es sind Extrembeispiele. Circa zwei Drittel der Eigentümer erwirtschaften aber positive Renditen. Das sind belastbare Zahlen auf Basis ausreichend großer Stichproben und nicht die Geschichten von Freunden mit Pech.

Das Mindset ist hier der wahre Feind

Ich befürchte wirklich, dass ich diese tiefsitzenden Ängste und Zweifel nicht zerstreut kriege. Da führen Sachargumente auch nicht besonders weit. Diese grundlegende Einstellung zu Investitionen, die über Bankprodukte hinausgehen, sitzt zu tief. Vor allem, da finanziell ja keine Not herrscht, gibt es keinen Grund, warum das Ehepaar ihre gedankliche Bequemlichkeit überwinden sollte.

Letztlich berauben sie sich damit aber des eigenen finanziellen Potenzials. Ich glaube, dass es vielen Menschen so geht. Sie könnten eigentlich, doch sie wollen sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen, nicht dem guten Rat vertrauen, nicht Neues ausprobieren.

Das ist unfassbar schade. Vielleicht wird der Tag kommen, an dem sie bereuen werden, dies nicht getan zu haben. Ich spreche mit vielen Rentnern, die bereuen, nicht früher Geld angelegt zu haben. Diese Wohnung würde für einen schönen Cashflow von einigen hundert Euro im Monat sorgen und das ganz losgelöst von dem dann herrschenden Wert ihrer Cash-Reserven. Wirklich schade.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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