Niedrigzinsen sind ein Übel, das Anleger schon seit Jahren begleitet. Und auch wenn das Zinstief nun hinter uns zu liegen scheint, sind die Zinsen immer noch äußerst niedrig. Die Zinswende in der Eurozone wird zwar in den nächsten Jahren kommen, doch zumindest bis nächstes Jahr stehen die Zeichen noch auf geldpolitische Expansion.

Für Kapitalanleger hat dies große Auswirkungen. Insbesondere Menschen vom Typ „deutscher Sparer“ leider besonders unter den niedrigen Zinsen. Länder mit einer ausgeprägteren Aktienkultur kommen da deutlich besser bei weg.

Realrenditen geraten unter Druck

Zum Glück war die Inflation in den letzten Jahren ebenfalls sehr niedrig. Das lag insbesondere an der schwachen Rohstoffpreisentwicklung – Rohöl im Speziellen. Die Realrendite war deshalb noch ganz in Ordnung. Mit den anziehenden Öl- und Rohstoffpreisen zieht nun seit etlichen Monaten jedoch auch die Inflation an (siehe Grafik). Das ist auf der einen Seite gut, denn dann hat die EZB einen Grund mehr, die Geldpolitik wieder etwas zu straffen. Doch wenn die Anlagezinsen und Renditen da nicht gleich mit nach oben ziehen, sinkt die Realrendite ins Negative und der Sparer verliert netto Geld.

Statistik: Inflationsrate in Deutschland von Oktober 2015 bis Oktober 2016 (gegenüber Vorjahresmonat) | Statista
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Deshalb ist es jetzt wichtiger denn je, sich Gedanken zu machen, wie man dieser Zinsfalle entkommen kann – zumindest für ein oder zwei Jahre, bis die EZB beginnt, die Zinsen ganz langsam wieder anzuheben. Denn damit rechne ich fest.

Ideen für Lösungen in der Niedrigzinsphase

Ab ins Risiko

Auch wenn sich der Gedanke daran für euch so anfühlt, als ob ihr in eine Zitrone beißt: Der Ausweg lautet Risiko. Den risikolosen Zins gibt es nicht mehr. In der Hinsicht waren wir in der Vergangenheit verwöhnt, denn ist eine (vermeintlich) risikolose Anlage wirklich 5% Zinsen wert? Das ist ja noch nicht einmal die Wertschöpfung vieler risikobehafteter Unternehmungen! Nun gibt es auf Tagesgelder 0,05% oder gar nur 0,025%. Wer mehr will, muss einfach ins Risiko. Deshalb sind alle nachfolgenden Geldanlagen auch mit Risiko behaftet.

"Den risikolosen Zins gibt es nicht mehr."

Aktien

Es ist allseits bekannt, dass die Niedrigzinsen der Aktionärskultur in Deutschland zumindest seichten Aufwind verleihen. Es spricht sich mittlerweile selbst bei Finanzlaien herum, dass das Tagesgeld mit Glück noch 0,1% abwirft und deshalb risikoreichere Anlageformen im besten Fall beigemischt werden. Ob das dann letztlich auch gemacht wird, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist aber, dass die Aktienquote in den meisten deutschen Depots äußerst niedrig ist.

Deshalb liegt dort auch der erste Ansatzpunkt. Selbst konservative Anleger vertragen einen Aktienanteil im niedrigen, zweistelligen Prozentbereich. Wenn das Geld weder bald, noch zu einem bestimmten Punkt in der Zukunft auf einen Schlag benötigt wird: Ab damit in Aktien. Für die ganz Scheuen kann es ja zum Beispiel ein „Low-Vola-ETF“ sein, der die schwankungsärmeren Titel in einem Index abbildet.

Anleihen mit Pfiff

Der Rentenmarkt ist eigentlich in Gänze unattraktiv. Wer auf Anleihen aber nicht verzichten möchte und trotzdem Geld verdienen will, muss auch hier ins Risiko gehen. Das bedeutet: Schwellenländeranleihen, Fremdwährungsanleihen, High-Yield-Anleihen, distressed debt. Doch eines sei gesagt: Einige dieser Märkte sind klare Profimärkte, an denen Tante Erna zu Lebzeiten nicht glücklich wird. Gleichzeitig kommen diese Anleihen mit einer aktienähnlichen Volatilität daher, die Erna die Ohren schlackern lässt. So kann man zwar noch 5% Rendite erzielen, doch die Ausfallrisiken sind signifikant und die Liquidität nicht garantiert.

Auch vermeintlich solide Mittelstandsanleihen fallen in dieses Segment, wobei bei denen die Euphorie ja zum Glück schon vorbei ist. Wenn man sich hier engagieren will, sind Fonds für die meisten Anleger noch das kleinste Übel. Eines muss aber klar sein:

Von dem, was ihr kauft, habt ihr im Zweifel nicht die geringste Ahnung.

Stillhaltergeschäfte

Ich bin ein Fan von Stillhaltergeschäften. Volatilität wird in diesem Zusammenhang auch häufig als alternative Anlageklasse bezeichnet, da sie negativ zu Aktien korreliert ist. Durch den Verkauf von Aktien- und Indexoptionen lassen sich Prämien vereinnahmen, die in halbwegs stabilen Märkten ein Zusatzeinkommen generieren können. Voraussetzung, damit sich das lohnt, ist jedoch ein etwas gestresster Markt mit einer überdurchschnittlichen Volatilität. Erfahrene Anleger greifen direkt zum Termingeschäft, Anleger ohne Zugang zur Eurex können solche Geschäfte über Aktien- und Indexanleihen tätigen – jedoch zu deutlich schlechteren Konditionen. Von Aktienanleihen halte ich nichts, wie ich hier erläutert habe. Indexanleihen können Freude machen. Worauf es mir dabei ankommt, lest ihr hier.

Immobilien

Insbesondere wegen der Niedrigzinsen sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren deutlich gestiegen, zumindest in den Städten. Da die Mieten vielerorts hinterher hinken, schlug dieser Anstieg auf die Mietrenditen von fremdvermieteten Objekten. Nicht nur in der Münchner Innenstadt liegen die Renditen nur noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das sind Konditionen, zu denen viele Profis keine Geschäfte mehr tätigen. Fünf Prozent und mehr dürfen es da schon sein, gute Rendite sind sogar zweistellig. Doch diese Objekte sind mittlerweile rar. Wer Glück, Ahnung und ein gutes Netzwerk hat, kann zwar nach wie vor in B- oder C-Städten solche Renditeperlen identifizieren, doch für die Masse ist es schwierig.

Auch sind bei solch einem hohen Preisniveau Wertverluste nicht ausgeschlossen. Angesichts der Alternativen sind vier oder fünf Prozent Rendite gar nicht so schlecht, nur gibt es dann natürlich nicht viel Puffer für Mietausfälle, Leerstände oder Instandhaltungen. Das muss einem klar sein. Wer das Geld für eine kleine Eigentumswohnung nicht hat, kann einen Blick auf die großen offenen Immobilienfonds werfen. Die rentieren auch noch mit ca. 3%, sind aber nicht sonderlich günstig und haben eingeschränkte Liquidität wegen Rückgabebeschränkungen.

Ausländische Banken

Mittlerweile hat sich ein Markt für europäische Spareinlagen etabliert. Tages- und Festgelder können ohne große Hürden so auch in anderen europäischen Ländern angelegt werden. Anbieter in dem Bereich sind zum Beispiel Weltsparen oder zinspilot. Dadurch profitiert man vom höheren Zinsniveau in ost- und südeuropäischen Ländern oder bei unserem Lieblingsautokraten am Bosporus. Die Idee dahinter: Einlagen bis 100.000 Euro sind EU-weit abgesichert. In der Praxis muss der jeweilige Einlagenschutz des Landes aber auch finanziell in der Lage sein, zu erstatten. Bei kleinen Bankpleiten kein Problem, bei größeren eher fraglich – insbesondere in ohnehin nicht sonderlich kapitalstarken Ländern. Mir ist das mittlerweile den Zinsaufschlag von vielleicht maximal einem Prozent nicht mehr wert. Ich hielt mitten in der Russlandkrise ein langlaufendes Festgeld bei der russischen VTG – ging gut aus, sah zwischenzeitlich aber auch düster aus. Den Stress brauche ich nicht mehr.

Fazit

Ich fasse kurz zusammen: Wer sich dazu entscheidet, wegen der niedrigen Zinsen das Risiko im Portfolio zu erhöhen, landet nicht zwingend bei Aktien. Alle anderen genannten Alternativen von der Immobilie bis hin zur ausländischen Bankeinlage haben sogar in der Regel niedrigere Wertschwankungen als Aktien. Warum also im ersten Schritt zur Aktie greifen?

Nun, zum einen ist die Aktie von den genannten Produkten das am leichtesten durchschaubare. Die Konditionen sind nicht komplex. Zum anderen haben wir eine gute Liquidität und Kapitalverfügbarkeit, eine hohe Regulierung und unter allen genannten Produkten wohl auch die höchste erwartete Rendite. Damit ist die Aktie durchaus ein Anfängerprodukt, das zudem wenig Zeitaufwand erfordert. Ganz im Gegenteil zu Eigentumswohnungen und erst recht notleidenden Anleihen. Das macht die Aktie trotz der höheren Wertschwankungen zur ersten Wahl.

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Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

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