Mittlerweile verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Welt langsam der Niedrigzinsphase entkommt.

Einer der Hauptgründe für die niedrigen Zinsen ist die sehr niedrige Inflation. Doch seit einigen Monaten steigen die Ölpreise wieder, was jetzt durch die Vereinbarung der OPEC zu den Produktionskürzungen noch einmal verstärkt werden wird. Zumindest sofern sie denn tatsächlich umgesetzt werden.

Rohöl ist zudem ein wichtiger Kostenfaktor bei der Förderung anderer Rohstoffe, ein Preisanstieg des Öls dürfte deshalb etwas steigende Rohstoffpreise im Allgemeinen zur Folge haben. In den derzeitigen Inflationszahlen spiegelt sich noch die sehr niedrige Basis der Rohstoffpreise in den letzten Monaten wider. Was folgt, ist ein sogenannter Basiseffekt. Von einer niedrigen Ausgangsgröße ist ein Anstieg dann umso deutlicher. Die Inflation dürfte sich also zumindest in Richtung des Inflationsziels von bis zu 2% bewegen.

Damit nimmt der Deflationsdruck deutlich ab und die Zentralbanken haben einen Grund weniger, an den äußerst niedrigen Zinsen festzuhalten. Den Staatshaushalten tut es zwar gut, da der Staat mit der Anleihenemission in einigen Ländern sogar etwas verdient, doch die negativen Effekte auf beispielsweise die Renten- und Vorsorgesysteme sowie die Finanz- und Versicherungsbranche können langfristig ja auch nicht im staatlichen Interesse sein.

Die USA sind im Zinszyklus ja deutlich weiter als die Eurozone. Nicht nur hat man damals nach der Krise die Zinsen schneller gesenkt und mit quantitativer Lockerung begonnen, sondern jetzt wird man auch deutlich früher in einen Zinsanhebungszyklus gehen. Seit Monaten rechnet man mit einem Zinsschritt der Fed, doch diese ist verständlicherweise äußerst bedacht darauf, dass die zugrundeliegenden, fundamentalen Entwicklungen diese Straffung auch wirklich wegstecken können. Mittlerweile rechnet man mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Zinserhöhung im Dezember, vor allem, weil sich auch die Löhne in den USA gut entwickeln, was in der Folge die Verbraucherpreise befeuert.

In Europa ist man noch lange nicht so weit. Die quantitative Lockerung der EZB wurde erst Anfang des Jahres auf Unternehmensanleihen ausgeweitet und das Programm läuft noch bis mindestens 2017. Bei der letzten EZB-Sitzung machte Draghi zudem deutlich, dass Zinserhöhungen derzeit noch nicht auf der Agenda stünden.

Die Erinnerungen an das Zinsniveau vor der Krise verblassen langsam. Damals gab es noch über 4% aufs Tagesgeld – ein Zinssatz, der für heutige Teenager schon außerhalb des eigenen Erfahrungshorizontes liegt. Quasi undenkbar.

Die Richtung dürfte sich aber auch in Europa im nächsten Jahr oder allerspätestens 2018 ändern. Einerseits freue mich schon tierisch darauf, andererseits nimmt man es mir bei der dann eventuell anstehenden Immobilienfinanzierung gleich wieder weg.

Und da kommen mir noch einige andere Gründe in den Sinn. Hier deshalb eine Aufstellung nicht ganz ernst gemeinter Gründe, weshalb wie unseren Kindeskindern einmal von den 2010er Jahren und den Niedrigzinsen vorschwärmen werden:

  1. Weil die Frau beim Handtaschenkauf Opportunitätskosten einfach ausblenden konnte.
  2. Weil Anleger wie wir endlich mal belohnt wurden: Die sich um ihr Geld kümmerten, hatten endlich mal deutlich mehr Ertrag als jene, die es nicht taten.
  3. Weil man so wunderbar wetten konnte: „Sind auch die Renditen achtjähriger Bundesanleihen nächste Woche schon negativ oder nicht?“
  4. Weil der Staatshaushalt endlich mal ausgeglichen war.
  5. Weil sich auch der ärmste Schlucker ein Haus auf Kante finanzieren konnte.

Fallen euch auf die Schnelle noch mehr Gründe ein? Dann ab damit in die Kommentare – ich bin gespannt!


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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