Der Charme von Pinterest

Das Thema hat nur indirekt mit Finanzen zu tun, aber ich verspüre diesbezüglich dennoch ein sehr hohes Mitteilungsbedürfnis.

Es geht um Pinterest vs. Facebook (und andere soziale Medien). Als ich eben durch meinen Pinterest-Feed scrollte, hatte ich sehr klare Gedanken zu diesem Thema, die ich mit euch teilen möchte. Und genau diese Situation ist eigentlich schon bezeichnend für den Punkt, auf den ich hinaus will: Beim Stöbern auf Pinterest hatte ich einen klaren Gedanken.

Ich nutze Pinterest erst seit einigen Monaten. Ich lernte die Plattform während meiner Zeit in Großbritannien kennen, wo sie mir etwas verbreiteter scheint – in Deutschland fristet sie ja eher ein Nischendasein.

Der allerwichtigste Unterschied zu Facebook ist für mich, dass mir der Pinterest-Feed einen Mehrwert bietet. Er inspiriert und stimmt mich gedanklich viel, viel besser als Facebook. Es ist quasi ein glücklich machender Algorithmus.

Initial muss man angeben, für was man sich interessiert. Auf Basis der gemachten Vorschläge und der Pins, die man sich davon merkt, verfeinert der Algorithmus den Feed immer weiter und schneidet ihn zunehmend auf die eigenen Interessen zu. Die zwei Gründe, weshalb das für mich so positive Auswirkungen hat, sind die Folgenden: Zum einen speichere ich mir schöne Dinge, quasi Bilder eines Lebens, wie ich es in der Zukunft gerne führen würde. Die von mir angelegten Kategorien dazu heißen etwa Houses, Interior Design, Gents und Men’s clothing.

Erfolg durch Visualisierung

Zum anderen besteht die zweite Hälfte meines Feeds aus Einträgen zum Thema Erfolg, Lifestyle, Tipps etc. Meine Pinnwände dazu heißen im Wesentlichen Success und Minimalism. Dort speichere ich meist keine Bilder ab, sondern Grafiken wie etwa Life Hacks, Sprüche und Zitate. Eine großartige Sache an Pinterest ist, dass viele „Bilder/Grafiken“ sehr lang sind. Das Format eignet sich also perfekt für Listen und lange Grafiken wie etwa „How to’s“. Beispiele auf meinen Pinnwänden sind „10-minute morning rituals“, „Why startups fail“ oder „7 brilliant ways to start any presentation“.

Dann gibt es noch die beiden Pinnwände mit eher praktischer Bedeutung: Die wish list und food. Da lege ich einfach Dinge ab, die ich mir wünsche oder die ich bald mal kochen möchte. Sehr simpel.

In Summe führt das zu zwei Effekten: Die Bilder meines Lebensentwurfes motivieren mich. Das ist quasi die digitale Version des alten Ratschlags, dass man sich seine Ziele visualisieren soll und mit den Ausschnitten aus Illustrierten eine Motivationscollage anfertigt.

Der andere Aspekt ist die positive Wirkung der Hacks und Ideen in den Kategorien Success & Minimalism. Das inspiriert und führt mir vor Augen, was wichtig ist. Das ist ein digitaler Coach und Mentor, der mir ständig Ratschläge gibt, wie ich noch erfolgreicher sein kann.

Außerdem sehe ich noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile von Pinterest:

1. Es gibt viel weniger Werbung als auf Facebook. Die lustig-unseriösen Werbeanzeigen auf der rechten Seite mit Prolls vor dicken Autos vermisse ich nicht wirklich.

2. Die ganze Plattform ist viel cleaner. Der Chat ist versteckt und es nutzt ihn keiner, nichts blinkt und macht Geräusche. Es gibt keine Menüpunkte voller Veranstaltungen, Gruppen und Freunde – man ist dem Informationsüberfluss viel ferner.

3. Gleichzeitig sind die Inhalte viel relevanter. Wie schon erwähnt, vermag es der Pinterest-Algorithmus besser, die Inhalte auf meine Interessen abzustellen. Trash ade!

4. Da mag man entgegnen, dass Instagram ja eine ähnlich aufgeräumte, bildbasierte Lösung bietet. Doch ich muss zugeben, dass ich kein Instagram-Fan bin. Wahrscheinlich bin ich einfach zu wenig an den Selbstdarstellungszwängen von Freunden und Bekannten interessiert. Das Posieren an schönen Orten und mit schönen Gegenständen behelligt mich nicht wirklich. Vor allem, da ich ja weiß, dass 90% davon nur Fassade ist und die meisten ein schrecklich alltägliches Leben führen. Die unterbewusste, psychologische Wirkung im Vergleich zum eigenen, kleinen, beschränkten Leben ist negativ. „Alle leben den Jetset, nur ich armer Kerl nicht“. Die Bilder auf Pinterest sind zwar noch viel weniger alltäglich, sondern alle gestellt. Aber da es keine Menschen sind, die ich kenne, spielt unterbewusster Neid interessanterweise keine Rolle. Stattdessen ist die Wirkung auf mich positiv.

Legitime Kritik an Materialismus

Ich habe das Thema gestern mit einer Freundin besprochen, die Pinterest schon ewig nutzt und mich damals überhaupt erst zur Nutzung angeregt hat. Sie hat einen validen Kritikpunkt an Pinterest hervorgebracht. Ihr war die Plattform in der Vergangenheit zu produktorientiert und auf Konsum ausgerichtet. Bilder von Accessoires, Kleidung, Möbeln, Autos etc. regen ja ganz klar zum Kauf dieser Dinge an. Sie kritisierte die Plattform als zu materialistisch, vor allem da sie im Gegensatz zu Facebook überhaupt nicht textbasiert ist.

Auch wenn ihr das mittlerweile nicht mehr so viel ausmacht, muss ich ihr da teilweise recht geben. Doch ich empfinde das etwas anders und verbinde es selten mit konkreten Konsumwünschen im Hier und Jetzt.

Da das nicht sehr persönlich ist und ich nichts zu verstecken habe, kann ich euch auch gerne hier den Link zu meinen Pinnwänden geben: https://uk.pinterest.com/dfaenders/

Wie seht ihr das Thema? Ist Pinterest auch für euch produktiver, glücksbringender, positiver und mehr auf Erfolg ausgerichtet?

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

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