Ich möchte im Folgenden eine Idee für ein Portfolio vorstellen, das im Regelfall nur eine sehr geringe Volatilität aufweist, eine positive Realrendite erwirtschaftet und gleichzeitig völlig auf Anleihen verzichtet.

Es besteht genau aus drei Bestandteilen:

1. Tagesgeld

Wer (wie auch ich) daran glaubt, dass der Aktienmarkt sich tendenziell eher im Spätzyklus befindet und deshalb größere Aktienengagements vermeiden möchte, parkt das Geld vermutlich auf dem Tagesgeldkonto zwischen. Das ist eine gute Idee, denn die derzeit übliche Verzinsung für Bestandskunden (ca. 0,3%) deckt zumindest die Inflation (ebenfalls 0,3% im Juni 2016 auf Jahresbasis). Wer aktives Tagesgeld-Hopping betreibt, kann sogar noch etwas höhere Verzinsungen erzielen oder Prämien mitnehmen. Vor diesem Hintergrund und in Ermangelung an Alternativen finde ich es durchaus legitim, derzeit auch größere Summen auf dem Tagesgeldkonto liegen zu lassen.

2. Capped Bonuszertifikate 

Wann immer die Volatilität recht hoch ist, (über 30-35 Punkten im VSTOXX), lohnt sich ein Verkauf der Volatilität durch den Verkauf von Optionen. Die Mittel auf dem Tagesgeldkonto kann man teilweise zum Erwerb von Capped Bonuszertifikaten einsetzen. Näheres zu diesem mir sehr lieben Produkt findet sich in diesem Artikel. Kurz wiederholt geht es um folgendes: Man wettet, dass ein Index bspw. in den nächsten Wochen bis zu einem Quartalsstichtag nicht unter eine bestimmte Marke fällt. Ist das der Fall, gibt es eine Prämie ausgezahlt. Da die Volatilität ein Preistreiber von Optionen ist, ist diese Prämie in stressigen Marktphasen besonders attraktiv. Das Zertifikat kann man dann bis zum Ende der Laufzeit halten, oft hat man nach einem Rückgang der Volatilität einige Tage nach Erwerb jedoch schon einen Großteil der Prämie verdient und fühlt sich besser, wenn man die restliche Zeit nicht mehr im Risiko ist – verkauft also schon bald wieder.

Kleines Beispiel: Capped Bonus Zertifikat auf den DAX, Laufzeit ca. 3 Monate, Abstand zur Barriere 36%, kein Aufgeld, hat in der Woche vor dem Brexit eine Prämienrendite von 1,9% geboten. Über den Daumen sind das pro Jahr 7,6% Rendite. Eine Woche später am Tag des Referendums (also noch vor dem potenziell gefährlichen Ergebnis am nächsten Tag) konnte man es mit einer Restrendite von 0,55% verkaufen, hatte also 1,3% auf den Einsatz verdient.

Solche Volatilitätsspitzen gibt es derzeit nur recht selten, im Laufe des letzten Jahres zum Beispiel nur etwa vier Mal. Nimmt man jedoch jedes Mal einen (limitierten!) Geldbetrag in die Hand, kann man damit eine sehr ansehnliche Rendite erzählen. Solange die Barriere noch so weit weg ist, ist die Volatilität dieser Produkte auch sehr gering.

3. Offene Immobilienfonds

Die großen Immobilienfonds-Flaggschiffe sind teilweise recht unbeschadet durch die Liquiditätskrise vor einigen Jahren gekommen. Auch wenn die hohen Ausgabeaufschläge die Freude am Neuerwerb trüben, haben doch viele Anleger (vor allem bei Volksbanken und Sparkassen) Anteile schon länger im Depot. Darüber kann man sich aus meiner Sicht derzeit glücklich schätzen, denn die größten Fonds in Deutschland schütten respektable 2-4% mit einer guten Konstanz aus.

Auch wenn viele Privatanleger unter Berücksichtigung des Wohneigentums dann insgesamt eigentlich zu viel Vermögen in Immobilien allokieren, kann ich derzeit kaum zum Verkauf von Anteilen raten. Relativ gesehen sind sie einfach zu attraktiv und die zugrundeliegende Fundamentaldaten-Entwicklung ist auch vorteilhaft für Immobilien.

Welche Rendite lässt sich damit erzielen? Ein Beispiel.

Was bedeutet das für ein fiktives Portfolio von 100.000 Euro? Investiert man 30% in offene Immobilienfonds, 50% ins Tagesgeld und 20% in Stillhaltergeschäfte auf Aktienindizes, kann man im besten Fall mit einer Vorsteuerrendite von 2,25% rechnen (30.000 € zu 3%, 50.000 € zu 0,3% und 20.000 € zu 6%).

Fazit

Das ist zwar nicht sonderlich üppig, aber im aktuellen Umfeld eine sehr gute Rendite für ein äußerst schwankungsarmes Portfolio, das zu mindestens 70% täglich liquide ist und am Aktienmarkt nur mit angezogener Handbremse agiert. Insofern finde ich das eine sehr gute Lösung für konservative Anleger, die dem Aktienmarkt derzeit nicht wirklich trauen und die von den Anleiherenditen frustriert sind.

Tagesgeld

Capped-Bonus-Zertifikate

Offene Immobilienfonds


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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