Ich vergleiche derzeit die gängigen Robo-Advisor mit einem klassischen ETF-Sparplan nach Kostengesichtspunkten. Anlass war der, dass ich die absoluten Kosten des ETF-Sparplans recht hoch fand und einen Vergleich haben wollte. Ich betrachte die Situation im Folgenden aus Sicht eines 55-Jährigen, der noch 10 Jahre arbeitet und dann 20 Jahre seine Rente genießt. Schauen wir uns also zunächst die beiden Arten der Altersvorsorge getrennt an.

Der ETF-Sparplan

Als Kunde von flatex ziehe ich deren Gebühren heran, die mit zu den attraktivsten am Markt gehören. Sagen wir, wir wollen in drei ETFs investieren: Einmal USA, einmal Europa, einmal Schwellenländer. Ich greife hier zu klassischen Flagship-Produkten, kann also mit einer durchschnittlichen TER von 0,2% im Jahr rechnen (die Vermeidung von ausländischen thesaurierenden ETF zieht diesen Wert etwas nach oben).

Flatex bietet zeitweise Sparpläne einzelner Emittenten kostenlos an, im Normalfall kostet die Ausführung aber günstige 0,90 Euro + eine ATC-Gebühr. Diese kann im Schnitt mit 0,2% angesetzt werden.

Sagen wir, wir besparen diese drei ETFs monatlich mit insgesamt 300 Euro. Das führt zu jährlichen Kaufkosten von 54 Euro bzw. 1,5% der investierten 3.600 Euro.

Das Ganze machen wir zehn Jahre lang, da wir dann in Rente gehen. Die gesamten Kaufkosten belaufen sich also auf 540 Euro. Anschließend wollen wir uns monatlich auszahlen lassen. Entnahmepläne sind dabei leider bei quasi jedem Anbieter teurer als Sparpläne. Flatex nimmt die normalen Handelskosten, sagen wir also 5,90 Euro pro Transaktion. Da wir vermutlich bis 85 leben, wollen wir über 20 Jahre auszahlen lassen. Und das wird hier richtig teuer: 20 x 12 x 5,90 x 3 = 4.248 Euro.

Die Entsparkosten stehen in keinem Verhältnis zum ausgezahlten Betrag, insofern würde man vermutlich nur quartalsweise auszahlen und so die Kosten vierteilen.

Während der gesamten Laufzeit haben wir, wie oben erwähnt, lediglich laufende Kosten von 0,2% p.a.

Und nun zum Robo Advisor.

Die verschiedenen Anbieter unterschieden sich inhaltlich nur unwesentlich. Zusätzlich zu den Verwaltungskosten der Fonds zahlt man eine Servicegebühr an den Anbieter. Diese variiert etwas:

Ginmon: 0,39% plus 10% der Gewinne (Highwatermark)

Quirion: 0,48%

Scalable Capital: 0,75%

Vaamo: 0,79%

Easyfolio: 0,96% (Dachfondskonzept; inkl. TER)

Die internen Kosten der Fonds (außer im Sonderfall Easyfolio) belaufen sich nach Angaben der Anbieter auf 0,25-0,5% pro Jahr, sind also etwas teurer als die von uns angesetzten 0,2%. Das ist insofern verständlich, als dass die Portfolios komplexer sind und Rentenbestandteile und Nischen abdecken (bspw. Small Caps), wo die Fondsgebühren höher sind.

Der Vorteil dieser Plattformen ist, dass mit der Servicegebühr alle Transaktionskosten abgegolten sind, was sowohl für die Sparphase, als auch die Entnahmephase gilt.

Betrachten wir die Sparphase in unserem Praxisbeispiel. Bei 300 Euro monatlicher Einzahlung belaufen sich die Servicegebühren im Laufe der zehn Jahre auf stolze 1.361 Euro. Im Vergleich dazu liegen die Kaufkosten beim ETF-Sparen bei nur 540 Euro. Und die Schere geht weiter auseinander, denn während man im zehnten Jahr beim Robo Advisor fast 300 Euro an Servicegebühr zahlt, kosten die Käufe der ETFs im ersten Modell weiter nur 54 Euro.

In der Ansparphase sind die Robo Advisor also deutlich teurer, vor allem bei größeren Depotvolumen. Würde man einen kleineren Betrag sparen oder die Ansparphase auf 5 Jahre verkürzen, ist der Robo Advisor preislich allerdings wieder attraktiv. Daraus können wir aber schon mal eines ableiten: Für mittelgroße Depots aufwärts eignet sich der Robo Advisor eher nicht.

Hinzu kommt außerdem noch die kleine Differenz in den jährlichen Fondskosten, die den Unterschied noch größer macht. Aber das will ich hier fairerweise vernachlässigen, da man im Gegenzug ja auch etwas besser diversifiziert ist und man ja Äpfel mit Birnen nicht vergleichen kann.

In der Entnahmephase wendet sich allerdings das Blatt, weil das klassische ETF-Portfolio da richtig teuer ist (4.248 Euro). Verzehren wir das Kapital über den Robo Advisor im Laufe der 20 Jahre, entstehen Servicegebühren von „nur“ 2.689 Euro.

Kosten des Gesamtzyklus

Im Laufe der 30 Jahre zahlen wir für den gesamten Zyklus beim Roboter 4.050 Euro, während die händische Arbeit auf 4.788 Euro kommt. Da man in der Praxis wegen der horrenden Kosten aber nicht monatlich auszahlen würde, ist der ETF-Sparplan in der Praxis eigentlich deutlich günstiger. Das es grundsätzlich unrealistisch ist, die Kosten über 30 Jahre zu taxieren, sei dahingestellt – Entscheidungen muss man jedoch auf Basis heute verfügbarer Informationen treffen.

Dem aufmerksamen Leser dürfte aufgefallen sein, dass wir hier unsinnigerweise ohne Rendite rechnen und dann jegliche Kosten eigentlich keinen Sinn machen, da der Banksparplan die bessere Alternative wäre. Klar – dient aber Vereinfachungsgründen.

Und jetzt mit Rendite.

Stellen wir uns das Ganze jetzt mit der gängigen Marktrendite vor. Da ist der ETF-Sparplan im doppelten Vorteil. Denn die hohe laufende Vergütung des Roboters fällt bei einem größeren Depotvolumen noch stärker ins Gewicht, während die pauschalen 0,90 Euro bzw. 5,90 Euro anteilig viel weniger ausmachen. Gleichzeitig ist wegen der höheren Gebührenbelastung der Zinseszinseffekt des Roboters deutlich niedriger.

Mir kamen die Kosten für den ETF-Sparplan (selbst bei der günstigen flatex -Variante) ursprünglich sehr hoch vor, weshalb ich mir die Roboter angeschaut habe. Aus Kostengründen machen die aber keinerlei Sinn, der Anbieter will schließlich auch noch was daran verdienen. Sie eignen sich damit vor allem für kleinere Depots, Anfänger und Gemütliche (Rebalancing ist komfortabel). Auch die optische Aufmachung macht mehr her. Für jeden, der sein ETF-Depot ebenso stark stückeln möchte (5-15 ETF), ist das definitiv auch die günstigere Alternative. Wem ein simpler aufgebautes Weltportfolio aber genügt, sollte sich die Kosten nicht antun.

Und abschließend noch ein weiterer Aspekt: Soll das Vermögen aus irgendwelchen Gründen doch nicht verzehrt werden (bspw. weil man finanziell auch so über die Runden kommt), wird der Robo Advisor im Vergleich richtig teuer…

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

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