Die FAZ schreibt heute über eine interessante Studie über die Performance von ETF-Anlegern. Das Verhalten von Kunden eines Online-Brokers wurde von einem Forscherteam untersucht. Resultat: ETF-Anleger erwirtschaften eine erstaunlich schlechte Rendite. Die Suche nach den Gründen dafür führte zu zwei Erkenntnissen. Zum einen halten die Anleger sehr kleine Indizes (insbesondere den DAX), zum anderen betreiben sie Market Timing und handeln im Schnitt zweimal monatlich. Beide Effekte herausgerechnet läge die Rendite in den untersuchten Jahren 2005-2010 bei jährlich über 4% nach Kosten.

Doch daraus zieht der Autor meiner Meinung nach leider die falschen Schlussfolgerungen. Er plädiert für eine prominentere Vermarktung breiter Indizes. Das Problem dabei: Nischen-ETFs (egal ob Branchen, Länder oder Strategien) bringen den Anbietern eine bis zu 10 mal höhere Gebühr. Zwar sind die impliziten Kosten solcher Produkte auch höher, doch alles in allem sind sie für die Anbieter immer noch profitabler. Es besteht also wahrlich keine Incentivierung für die Anbieter.

Der andere Vorschlag ist eine steuerliche Begünstigung von längeren Haltedauern. Das fände ich auch wünschenswert, doch sieht die Fiskale Realität gerade ganz anders aus. Man bewegt sich mit der Reform der Fondsbesteuerung ja geradezu von diesem Gedanken weg.

Denn: Der Gesetzgeber versetzt den Kapitalanlegern mal wieder einen Schlag in den Nacken.

Im Rahmen der Einführung der Abgeltungssteuer 2009 gab es einen Bestandsschutz für die Gewinne auf Wertpapiere, die vor dem Stichtag erworben wurden. Damals hieß es, diese seien bei späterer Veräußerung von der Abgeltungssteuer befreit. Genau diese Regelung kippt nun 2018 zumindest für Publikumsfonds. Gewinne, die ab dann auflaufen, werden überhalb eines Freibetrages von 100.000 Euro regulär versteuert werden müssen.

Die Depotbanken werden Ende 2017 einen Verkauf buchen (dieser noch steuerfrei) und zum dann geltenden Kurs neu anschaffen. Damit ist die Gewinnentwicklung ab diesem Zeitpunkt sauber dargestellt.

Nun finde ich diese Nachricht aus mehreren Gründen fast schon empörend.

Zum einen hält sich der Fiskus nicht an gemachte Zusagen. Ich erwarte vom Staat einfach Rechtssicherheit, die ich hier vermisse. Das ist Steuergesetzgebung nach Belieben.

Außerdem schadet dies der Aktienkultur in Deutschland. Die Aktie ist im Vergleich zu anderen privaten Veräußerungsgeschäften (wie beispielsweise Immobilien) ohnehin schon steuerlich benachteiligt. Das wird durch die neue Regelung nochmal verschärft.

Ich verstehe, dass der Staat ein Interesse an Vermögensumverteilung hat und die Regelung trifft zwar nicht nur das Großkapital, aber zumindest keine Kleinstanleger. Selbst als Wirtschaftsliberaler sehe ich ein, dass zum Erhalt der Klassengerechtigkeit und des gesellschaftlichen Gefüges eine Umverteilung von oben nach unten angeraten ist. Doch dies derart hinten herum zu machen, in dem man alte Aussagen aufkündigt, halte ich für den falschen Weg.

Wie die FAZ schreibt, ist das Ganze eigentlich auch nur ein Beiprodukt der zukünftig grundsätzlich geänderten Fondsbesteuerung.

Anleger dürften sich in den kommenden Jahren ohnehin auf Änderungen einstellen. Insbesondere bei einer rot-rot-grünen Regierung rechne ich zumindest damit, dass die Abgeltungssteuer recht flott auf den persönlichen Steuersatz angehoben wird. Das bedeutet im schlechtesten Fall eine um zwanzig Prozentpunkte höhere Belastung. Mir graut es jetzt schon.

Die Schlussfolgerungen des Redakteurs Dyrk Sheriff in allen Ehren, aber realitätsnah sind beide leider nicht.  


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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