Finanzen für Unternehmer sind ein schwieriges Thema. Das liegt daran, dass Geldanlage, Investieren und Altersvorsorge sehr viel mehr Spaß machen, wenn man monatlich einen gleichbleibenden Betrag zum Investieren hat. Denn nur dann kann man sich ganz wunderbar in schönen Excel-Berechnungen verlieren, kann sein Vermögen in zehn Jahren approximieren oder gar noch längere Prognosen wagen.

Natürlich hängt die Streuung des Endwertes um diese Prognose von einigen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Risikograd im Portfolio. Je niedriger das Risiko, desto vorhersagbarer der Endwert. Gleichzeitig beruhen solche Berechnungen jedoch auch auf der Annahme, dass die monatlichen Sparraten konstant sind, Jobverluste oder Gehaltsverschlechterungen sind nicht Teil des Modells. Ganz im Gegenteil: Man baut in Sachen Sparrate meist sogar noch eine Wachstumsdynamik ein.

Das trifft sicher für viele Karrieren zu, die Sparraten ebenso vieler (auch disziplinierter) Menschen verlaufen aber sicher nicht so linear. Jobverlust, Konsumattacken, Kinder und Familie, Wirtschaftskrise. Das alles liegt im Rahmen des Erwartbaren.

Excel-Fantasien junger Karrieristen

Dennoch sind solche Excel-Spielchen wunderbar. Es bereitet einem physische Freude zu sehen, dass 2.000 Euro Sparrate im Monat (eines sehr gut verdienenden Berufsanfängers) sich in nur vier Jahren auf knapp 100.000 Euro belaufen und man in weniger als einer Dekade die 200.000 Euro hinter sich gelassen haben wird. Noch schöner ist es zu sehen, was ein solches Vermögen schon dann an laufenden Erträgen abwirft. Die ganze Financial Independence Szene geilt sich an diesen Prognosen auf.

Der Unternehmer hat an diesen Spielchen nicht allzu viel Freude. Sofern er sich nicht gerade ein fixes Unternehmergehalt auszahlt, beispielsweise als Geschäftsführer seiner GmbH, sind monatlich gleichbleibende Sparraten oft nicht möglich. Zu stark schwangt das monatliche Einkommen. Noch dazu sind die Belastungen hoch, Krankenkassenbeiträge müssen alleine gestemmt werden, berufsständische Versicherungen sind unter Umständen zu zahlen, es müssen Rücklagen für die Jahressteuer gebildet werden.

Und doch muss der Unternehmer sogar noch mehr zur Seite legen als der Arbeitnehmer. Er zahlt nicht in die Rentenversicherung ein, ist also noch viel mehr auf private Vorsorge angewiesen. Diesen Druck spüren Unternehmer ständig im Nacken.

Wirklich etwas aufbauen

Im besten Fall schaffen Unternehmer einen nachhaltigen Wert. Das ist ja auch der große Trigger. Eine Beteiligung an einer Gesellschaft oder für Freiberufler die Kanzlei oder Praxis ist die große Chance, in Sachen Wohlstand an den meisten Arbeitnehmer meilenweit vorbeizuziehen.

Ein Freund von mir hat mal gesagt: „Dominic, was sind schon 2.000 Euro Sparrate im Monat, wenn du auf der anderen Seite die großartige Chance hast, ein exponentiell höheres Vermögen zu bilden. Ein Vermögen, von dem Arbeitnehmer nur träumen können, wenn sie nicht gerade Vorstand sind“. Er hat recht, auch wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, ein derart werthaltiges Geschäft aufzubauen, bekanntermaßen sehr niedrig ist.

Der Unternehmer gibt die Freude an belastbaren Mehrjahres-Planungen auf für die Chancen der Skalierbarkeit und des Eigentums. Wer als Arbeitnehmer nicht im Vertrieb arbeitet, verkauft in der Regel seine Zeit. Die Wertschöpfung, die er betreibt, geht nicht an ihn, sondern den Eigentümer.

Andere Eigenwahrnehmung vieler Unternehmer

Interessant ist ja auch, dass viele Unternehmer ihr Dasein als weniger riskant einschätzen als das von Arbeitnehmern. Der Unternehmer sagt, der Arbeitnehmer ist von nur einem Arbeitgeber abhängig und bezieht oft 100% seines Einkommens aus nur einer Quelle. Er als Unternehmer hat im Regelfall aber viele Kunden oder baut auf verschiedenen Produkten und Services als Säulen. Fällt ihm ein Kunde aus, schmerzt es nicht so, er ist schlichtweg diversifizierter.

Wege aus dem Dilemma

Dennoch sitzt dem Unternehmer die Vermögensbildung im Nacken. Lösbar ist dieser Konflikt wohl nur auf drei Wegen: Bescheiden leben, in guten Monaten umso mehr zurücklegen und felsenfest daran glauben, dass das eigene Geschäft einmal einen substanziellen Wert hat.

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

Pin It on Pinterest

Shares