Was ist Tagesgeld?

Tagesgeld-Konten sind geldmarktähnliche Konten, die in der Regel nicht für den Zahlungsverkehr verwendet werden, sondern zum verzinsten „Parken“ von Geldern auf dem Girokonto dienen. Der große Vorteil ist dabei die tägliche Verfügbarkeit, die beim Kauf von Geldmarktfonds (2 Tage) und Sparbüchern (3 Monate) nicht gegeben ist.

Was ist Tagesgeld-Hopping?

Da wir nun mal in Zeiten historisch niedriger Zinsen leben, lohnt sich die Verzinsung auf dem Tagesgeldkonto auch nicht mehr sonderlich und bewegt sich bei den meisten Banken so zwischen 0,1% und 0,6%. Diese Sätze gelten jedoch nur für Bestandskunden!

Insbesondere Online-Banken bieten jedoch vorteilhaftere Neukunden-Aktionen an und garantieren beispielsweise 1% für ein Jahr. Bei größeren Anlagesummen lohnt es sich also durchaus, immer zu der Bank mit dem derzeit höchsten Tagesgeld-Satz zu wechseln. Dieses regelmäßige Wechseln der Kontoverbindung nennt man dann Tagesgeld-Hopping.

Kritik am Tagesgeld-Hopping

Häufig höre ich Einwände zu diesem Vorgehen:

Einwand Nr. 1: „Es lohnt sich doch nicht, für ein halbes Prozent mehr gleich die Bank zu wechseln.“

Doch es lohnt sich, denn der Aufwand ist gering. Ich fülle online ein Kontoeröffnungsformular aus, drucke es aus und identifiziere mich mittels Post-Ident-Verfahren in der nächsten Postfiliale. Ein paar Tage später erhalte ich meine Kontounterlagen. Das war’s. Mein Zeitaufwand: 30 Minuten.

Angenommen, ihr habt 10.000 Euro anzulegen und könntet einen Zinsvorteil von 0,5% erzielen, dann lohnt es sich also nur dann nicht, wenn eure Stunde mehr als 100 Euro wert ist. Wenn eure Stunde aber mehr als 100 Euro wert ist, dann habt ihr vermutlich mehr als 10.000 Euro anzulegen und dann lohnt es sich also doch wieder.

Ich kenne eigentlich niemanden, der diese 30 Minuten aus wirtschaftlichen Gründen nicht aufwenden sollte.

Einwand Nr. 2: „Ich möchte meine Daten nicht so weit verbreiten“

Wie man dazu steht, ist eine Grundsatzfrage. Wenn man Online-Banking aus Sicherheitsgründen gänzlich ablehnt, kann man kein Tagesgeld-Hopping betreiben. Ich gehöre zu einer Generation, die ohnehin recht locker mit ihren Daten umgeht und ich glaube, da sind sie bei einer Bank noch mit am besten aufgehoben. Bei wenigen anderen Dienstleistungen hat der Schutz von Kundendaten einen so hohen Stellenwert. Wer online shoppt, verbreitet seine Daten schließlich in ganz andere Kanäle. Ich selbst sehe keinen Nachteil, meine Daten verschiedenen Banken zur Verfügung zu stellen.

Warum sich Tagesgeld-Hopping lohnt

  • Man kann von höheren Aktionszinsen profitieren.
  • Man hat eine Zinsgarantie für die nächsten 3 bis 6 Monate. Das ist vergleichbar mit einem Festgeld, nur dass man nicht gebunden ist. Das ist also ein asymmetrischer Vorteil zu unseren Gunsten. Erwartet man weiter sinkende Zinsen, kann man so zumindest für einen begrenzten Zeitraum absichern.
  • Das geschickte Ausnutzen von „Kunden werben Kunden-Angeboten“ kann man als eine Art Zusatzzins betrachten. Wenn die Bank für das Werben 75 Euro zahlt, kann ich bei einem Kontosaldo von 10.000 EUR einen imaginären Zusatzzins von 0,75% addieren.

Tipp

Kündige die alten Konten, wenn du mit deinem Geld zu einer anderen Bank weitergezogen bist. Das schafft Ordnung im Papierkram, vereinfacht deine Steuererklärung und gibt dir die Möglichkeiten, nach ein bis zwei Jahren „Sperrfrist“ wieder die Neukundenangebote zu nutzen.


Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.