Das Weltportfolio ist ja ein Begriff, der häufig zu hören ist. Doch das Weltportfolio ist ein theoretisches Konstrukt, das nie erreicht werden kann, da man niemals eine Beteiligung an jedem Asset dieser Welt halten können wird. Deshalb reden im Bezug aufs Weltportfolio alle von etwas anderem. Für den einen muss das Weltportfolio 10.000 Titel enthalten, für den anderen reicht es, wenn die fünf größten Volkswirtschaften mit ihren Leitindizes repräsentiert sind.

Um in diesen Dschungel etwas Licht zu bringen, habe ich meine liebsten Finanzblogger dazu aufgerufen, ihre Idee vom Weltportfolio zu erläutern. Die gesammelten Antworten geben einen schönen Überblick über das Spektrum der Vorstellungen und bieten ganz nebenbei noch spannende Einblicke in die privaten Portfolios bekannter Blogger.

Der Artikel ist etwas länger geworden, aber wenn ihr das lest, habt ihr die Warnung im Titel ja schon ignoriert. Genau genommen sind manche Master-Thesen nur doppelt so lang, aber dafür habe ich hier extra Sprungmarken zum schnellen Navigieren gesetzt.

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Inhalt

Lars Hattwig | Finanziell umdenken

www.finanziell-umdenken.info/blog

Einfaches Weltportfolio für Privatanleger

Wer erfolgreich investieren möchte, braucht entweder einen Wissensvorsprung oder eine gute Strategie. Als Privatanleger ist es meist nicht realistisch, einen signifikanten Wissensvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern zu haben. Daher wende ich ein strategisches Vorgehen an. Gleichzeitig sollte der Umstand berücksichtigt werden, dass ein Anleger im Standardfall Geld für kurzfristige, mittelfristige und langfristige Wünsche und Ziele investieren möchte. Zudem unterstelle ich, dass eine ausreichend hohe Geldreserve für private Notfälle vorhanden ist.

Die renditestärkste Anlageklasse Aktien sollte in erster Näherung einen Anteil von rund 50% einnehmen. Schläft jemand bei schwachen Börsenzeiten schlecht, sollte er diesen Anteil reduzieren. Hat ein langfristiger Investor bereits schwache Börsenjahre ohne Kreislaufkollaps überstanden, kann der Aktienanteil auch höher gewählt werden – mehr als 75% Aktien sollte es auch bei einem sehr offensiven Anleger nicht sein.

Bevor wir zum Vorgehen bei Aktien kommen, möchte ich noch kurz die anderen Anlageklassen nennen. Da wären zum einen traditionelle Anleihen. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der weltgrößten Notenbanken habe ich in meinem Portfolio einen Anteil von Staatsanleihen aus den Emerging Markets – Ländern mit hinzugenommen und auch hochverzinste Unternehmensanleihen. Bei allen drei Sektoren bevorzuge ich ETFs.

Weitere Anlageklassen sind Immobilien und Rohstoffe. Wer bei Immobilien den nicht geringen bürokratischen Aufwand bei Direktinvestments umgehen möchte, kann diese Anlageklasse ebenfalls mit sogenannten REIT-ETFs abdecken, wobei hier eine merkliche Korrelation zur Anlageklasse Aktien zu bedenken ist.

Der Anteil von Rohstoffen im gesamten Portfolio sollte maximal 10% betragen. Wie Anleger in den Jahren 2013 bis 2015 gemerkt hatten, sind Rohstoffe sehr spekulativ und weniger zum Vermögensaufbau und Errichten von regelmäßigen Erträgen geeignet wie Aktien oder Immobilien.

Abgerundet wird das Portfolio noch durch Liquidität für Hinzukäufe und dem Sektor Spielgeld. Letzteres ist für riskante Anlageinstrumente, bei denen im ungünstigen Fall das eingesetzte Kapital auch komplett verloren gehen kann.

Zum Vorgehen bei Aktien

Wer sich nicht mit der Aufteilung der verschiedenen Welt-Regionen mittels Einzelaktien beschäftigen will oder noch zu wenig Kapital hat, für den ist die einfachste Art der Aktienanlage ein Produkt, das auf den MSCI ACWI läuft. Dieser „All Country“-Index, der als ETF verfügbar ist, umfasst die wesentlichen Industrie- und Schwellenländer der ganzen Welt.

Eine etwas individuellere Verteilung lässt sich mit der Kombination aus MSCI World und MSCI Emerging Markets erreichen. Im ACWI selbst sind die Schwellenländer aktuell nur mit rund 10% Gewicht enthalten, während sie eigentlich schon einen viel größeren Anteil an der Weltwirtschaft ausmachen. Ein Verteilungsvorschlag dafür lautet zum Beispiel: 70% MSCI World und 30% MSCI Emerging Markets

Für die langfristige Entwicklung des Portfolios ist es weniger wichtig, ob ein bestimmter ETF nun ein paar Prozent mehr oder weniger Anteil bekommt. Am wichtigsten ist, dass man überhaupt investiert ist, und zwar langfristig in der passenden Investitionsquote.  Und welche Depotaufteilung nach einigen Jahrzehnten in der Zukunft sich als die beste herausgestellt haben wird, kann heute niemand im Voraus wissen. Deswegen ist der vernünftigste Kompromiss, um sich auf solche Unwägbarkeiten einzustellen, ein möglichst breit diversifiziertes Portfolio, das „von allem ein bisschen“ beinhaltet. Wer trotzdem die Regionen nach seinen Vorlieben aufteilen möchte, kann sich an die jeweiligen Anteile der Regionen am Welt-Wirtschaftsprodukt halten. Ein mögliches Regionen-Portfolio aus ETFs könnte z.B. so aussehen:

  • 30 % MSCI North America (oder S&P 500)
  • 25 % MSCI Europe oder STOXX Europe 600
  • 15 % MSCI Pacific (oder 7,5 % MSCI Japan und 7,5 % MSCI Pacific ex Japan)
  • 30 % MSCI Emerging Markets

Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass kleinere Unternehmen in guten Börsenjahren einen stärkeren Kursanstieg aufweisen als die bereits etablierten großen Konzerne. In schwachen Aktienjahren verlieren kleinere Unternehmen dagegen stärker an Wert. Da in der Mehrzahl der Fälle der Aktienmarkt steigt, ist daher zu überlegen noch einen Anteil an kleinen Unternehmen in Form des MSCI Small Cap hinzuzunehmen.

Wie gesagt, es geht dabei weniger um die exakten Prozentangaben, die sind nur zur Verdeutlichung als ein mögliches Beispiel mit aufgezeigt. Wichtig ist vielmehr, dass eine einmal festgelegte Verteilung auch langfristig eingehalten wird, dass heißt bei großen Verschiebungen konsequent zu rebalancieren. Zum Abschluss jetzt noch in graphischer Form ein Vorschlag für ein gesamtes Weltportfolio für den langfristigen Vermögensaufbau.

Natascha Wegelin | Madame Moneypenny

madamemoneypenny.de

Ist das Weltportfolio wirklich nicht umsetzbar?

Das erste Buch, das ich jemals über Börse, Aktien und Geldanlage gelesen habe, war „Souverän investieren“ von Gerd Kommer. Am Anfang also direkt ein dickes Brett. Entsprechend überfordert fühlte ich mich bezüglich seiner Ausführungen zum Weltportfolio. Dennoch habe ich mich dafür entschieden diese Strategie zu verfolgen. Die wesentlichen Argumente, die mich vom passiven Investieren anhand des Weltportfolios überzeugen konnten, sind:

  • Maximierung der Rendite für ein gegebenes, erwartetes Risikoniveau
  • Passive Investments schlagen, historisch gesehen, aktives Trading langfristig
  • Das Weltportfolio gibt mir eine optimale Schablone vor, die ich „nur noch“ befüllen muss
  • Performance im Vergleich zu anderen Investments – auch in Krisenzeiten (siehe Tabelle)
100 % Risiko / 0 % risikolos 60 % Risiko / 40 % risikolos MSCI World DAX Goldpreis
1974 – 2014 (40 J.) 10,3% 8,0% 7,4% 7,7% 1,2%
Vermögensendwert 35 Jahre 30,93 € 14,81 € 12,15 € 13,21 € 1,49 €
Maximaler kumulierter Verlust -54% -35% -60% -70% -76%

Performance Weltportfolio (100/0 & 60/40) im Vergleich zu MSCI World, DAX, Goldpreis. Eigene Darstellung, in Anlehnung an Kommer 2015, S. 291.

Ein Kritikpunkt, den sich das Weltportfolio gefallen lassen muss, ist sein hohes Maß an Komplexität.

Um alle Weltportfolio-Asset-Klassen abzubilden, müsste man in mindestens neun (mit Staatsanleihen sogar zehn) ETFs investieren. Dies lohnt nur bei einem recht hohen Anlagebetrag. Denn für zehn ETFs fallen auch zehnmal Ordergebühren an, das Rebalancing wird aufwendig und so weiter. Um auch in den kleinsten Asset-Klassen (Large/Mid Caps und Smalls Caps Japan/Australien) bei einer Verteilung 70/30 auf über 2.500 Euro zu kommen, wäre ein Gesamtinvestment von ca. 90.000 Euro notwendig. Doch hierfür bietet Kommer Lösungen an: Die Vereinfachungsmethoden. So kann beispielsweise die Asset Klasse Rohstoffe weggelassen und im Gegenzug der Anteil „Aktien entwickelte Märkte“ von 55 Prozent auf 65 Prozent erhöht werden. Oder man lässt Rohstoffe und Immobilien beide weg und erhöht „Aktien entwickelte Märkte“ von 55 Prozent auf 75 Prozent. Eine weitere Variante wäre „Aktien entwickelte Märkte“ und „Aktien Schwellenländer global“ durch nur einen ETF auf den MSCI ALL Country World Index abzubilden. Man kann das Weltportfolio mit Verteilung 75/25 mittels eines Investments in den Arero-Fonds (WKN: DWS0R4) sogar mit nur einem ETF abbilden. Laut Kommer dürften die Vereinfachungen die langfristige erwartete Rendite etwas reduzieren und vermutlich das Risiko zum Vergleich zum großen Weltportfolio etwas erhöhen, wobei der Effekt auf lange Sicht nicht sehr ins Gewicht fallen dürfte.

Da ich persönlich auch nicht 90.000 Euro investieren möchte und mich die nächsten Jahre eher weniger als mehr mit meinen Investments beschäftigen will, habe ich mich für folgende Weltportfolio-Variante entschieden:

Risikobehaftet

Aktien weltweit, MSCI World 55%
Aktien Schwellenländer, MSCI EM 25%
Immobilien, FTSE EPRA/NAREIT Developed 10%
Rohstoffe, Dow Jones-UBS Commodity 10%

Risikolos

Tagesgeld 100%

Fazit:

Ich fühle mich mit meiner Weltportfolio-Variante sehr wohl. Das Argument der zu hohen Komplexität kann ich nachvollziehen, dennoch gibt es hierfür in Literatur und Praxis prompte Lösungen. Unterm Strich, so zeigen zumindest historische Daten, gelingt ein langfristiger Vermögensaufbau anhand eines passiven Investments im Vergleich zu aktiven Strategien deutlich besser – egal, ob man nun die Asset-Klasse „Aktien entwickelte Märkte“ mit nur einem oder sechs verschiedenen ETFs abbildet.

Dr. Jürgen Nawatzki | ETF-Blog

www.etf-blog.com

Mein Weltportfolio

Bei meinen Geldanlagen orientiere ich mich in erster Linie an den Erkenntnissen der modernen Portfoliotheorie.

Weiterhin investiere ich mein Geld nur in ETFs, da ich von der Idee des passiven Investierens mit börsengehandelten Indexfonds absolut überzeugt bin. ETFs sind der Anlagetrend unserer Zeit und ich sehe in ihnen die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

Danach streue ich zuerst nach Anlageklassen und erst dann nach Regionen bzw. anderen Anlagekriterien.

An Anlageklassen kommen bei  mir folgende zum Einsatz:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Rohstoffe
  • Geldmarkt bzw. Tagesgeld.

Aktien

Bei Aktien streue ich weiter nach Industrie- und Schwellenländern. Demnach kommt ein ETF auf den MSCI World Index zum Einsatz, der in rund 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern investiert.

Um auch die Schwellenländer dabei zu haben, kaufe ich weiterhin einen ETF auf den MSCI Emerging Markets Index, der in 800 Unternehmen aus 23 Schwellenländern investiert.

Zusätzlich investiere ich noch in den MSCI USA Small Caps, da Nebenwerte oft besser performen als Standardwerte.

Und weiterhin investiere ich in den Stoxx Global Select Dividend 100, der die 100 besten Dividendenaktien enthält, die auf Dauer zu meinem passiven Einkommen beitragen sollen.

So habe ich mein Aktieninvestment strukturiert.

Anleihen

Wenn ich in Anleihen investieren würde, kaufte ich einerseits den Euro Government Bond 7-10 Years und den USD Treasury Bond 3-7 Years.

Doch ich war nie ein großer Freund  von Anleihen und der gegenwärtigen Niedrigzinsphase bin ich in Anleihen schlicht und ergreifend nicht investiert.

Immobilien

Hier bin ich in den Stoxx Europe 600 Real Estate Index investiert sowie in den Dow Jones Global Real Estate Index.

Rohstoffe

An Rohstoffen investiere ich in einen ETF, der den Deutsche Bank Liquid Commodity Index mit der Optimum Yield-Methode nachbildet.

Dieser spiegelt die Wertentwicklung von 14 Rohstoffen, angefangen bei Erdöl, über Erdgas bis zu Edelmetallen und Getreide wider.

Die Umschichtung der Kontrakte wird dabei nach der Optimum Yield-Methode vorgenommen, die das Ziel verfolgt, negative Roll-Effekte zu minimieren und positive Roll-Effekte zu maximieren. Das soll einer negativen Wertentwicklung vorbeugen.

Geldmarkt

Da auch Geldmarktfonds Verwaltungsgebühren kosten, weiche ich hier schlicht und ergreifend auf ein Tagesgeldkonto aus, auf dem ich meinen Notgroschen angelegt habe.

Fazit

Insgesamt halte ich ein Weltportfolio aus verschiedenen Anlageklassen und der Gewichtung unterschiedlicher Regionen für absolut sinnvoll.

Schließlich kann man so sein Risiko reduzieren, ohne gleichzeitig die Ertragschancen nennenswert zu schmälern. Zumindest verspricht uns das die moderne Portfoliotheorie.

Albert Warnecke | Finanzwesir

www.finanzwesir.com

Lehnst du die Idee eines Weltportfolios ab? Für Stock Picker zum Beispiel spielt das Weltportfolio ja keine große Rolle.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich lehne alles ab, was nicht Weltportfolio ist.
Kurze Definition: Was ist ein Weltportfolio? Ein Weltportfolio ist ein breit gestreutes Aktienportfolio. Breit gestreut bedeutet dabei:

Wir investieren in 23 Industrie- und 23 Schwellenländer. In Summe sind das gut 2.500 Firmen. Wir gewichten die einzelnen Länder nicht nach Gefühl und Wellenschlag („Wenn ich mir den Präsidentschaftswahlkampf ansehe – da möchte ich doch lieber nicht so die viel USA im Depot haben“), sondern nach Marktkapitalisierung oder Bruttoinlandsprodukt.

Professor Martin Weber und Dr. Gerd Kommer sind die prominentesten Vertreter dieses Ansatzes im deutschsprachigen Raum.

Warum machst du das so?

Weil Markttiming und Stockpicking einfach nicht funktionieren. Jedenfalls nicht langfristig und planbar. Ziel muss es sein, langfristig, bei geringsten Kosten und mit vertretbarem Aufwand die Marktrendite zu erwirtschaften. Also diese ominösen 6 % – 8 %, die wir Finanzblogger immer als Aktienrendite bezeichnen. Genau das tut ein Weltportfolio.

Dröselst du das Weltportfolio in viele Länderbestandteile auf?

Es wird gar nicht gedröselt. Grundsätzlich reicht ein Index, um die Gebühren zu minimieren, alles zu ersetzen, passiv zu investieren und ewig vom Wachstum zu profitieren. Sein Name ist MSCI ACWI. ACWI = All Country World Index. Lieber ein robustes und einfaches Portfolio automatisiert per Sparplan befüllen, als händisch eine Pseudo-Diversifikation managen.
Wer’s nicht glaubt – Meb Faber, Co-Founder und Chief Investment Officer von Cambria Investment Management hat sich die Mühe gemacht und 9 ausgefuchste Depots analysiert. Sein Fazit: Aufdröseln bringt nichts. Solange man lange genug dabei bleibt und breit genug diversifiziert, bekommt man Marktrendite.
Das ist einfacher gesagt, als getan. Das stelle ich bei meinem Finanzcoaching immer wieder fest. Die meisten Depots sind viel zu komplex. Deshalb möchte ich jetzt vier ganz einfache Portfolios vorstellen.

Ob Gewichtung nach Marktkapitalisierung oder BIP ist mir egal. Wichtig ist nur, dass der Index breit diversifiziert und möglichst nicht weniger als 500 Firmen umfasst. Als Indizes kommen nur diese zehn in Frage:

  • Regionenübergreifend: MSCI ACWI, MSCI World, MSCI Emerging Markets
  • Europa: MSCI Europe oder STOXX 600 Europe
  • Nordamerika: MSCI Northamerica, MSCI USA oder S&P 500
  • Pazifische Region: MSCI Pacific oder MSCI Japan

Diese Indizes werden wie folgt zu Depots zusammengebaut:

Gewichtung nach Marktkapitalisierung

  • Ein ETF auf den MSCI ACWI, 2.500 Firmen, 90% Industrieländer und 10% Schwellenländer.

Gewichtung nach BIP

  • 2 ETFs: 70% Industrieländer weltweit (MSCI World) und 30% Schwellenländer
  • 3 ETFs: 50% Industrieländer weltweit (MSCI World), 20% Europa, 30% Schwellenländer
  • 4 ETFs: 30% Nordamerika, 30% Europa, 30% Schwellenländer, 10% Pazifische Region.

Mehr braucht man nicht. Bis zu einer monatlichen Sparrate von 100 Euro würde ich zu maximal zwei ETFs raten. Einfach einen Sparplan einrichten und das Ding geht auf Autopilot.

Florian Müller | Börseneinmaleins

www.boerseneinmaleins.de

Viele Depots von Privatanlegern sind schlecht strukturiert. Entweder sie haben eine Übergewichtung des Heimatlandes, in der Psychologie Home Bias genannt, oder es ist ein Klumpenrisiko vorhanden. Dies bedeutet, dass die meisten Anleger zu stark in einer Branche oder zu stark in einem Sektor engagiert sind. Wissenschaftlich erklärt ist z.B., dass Anleger die Branche, in der sie selbst arbeiten, über gewichten. Aber wie sieht das optimal strukturierte Portfolio denn nun wirklich aus. Hierüber streiten sich die Experten: Es gibt unzählige Meinungen, von Gerd Kommers Weltportfolio bis hin zu Prof. Webers Arero Weltfonds.

Ob ein einheitliches System für jeden in Frage kommt, wage ich zu bezweifeln. Unterschiedliche Risikopräferenzen, der unterschiedliche zeitliche Horizont und der anzulegende Betrag sind Parameter, welche man mitberücksichtigen sollte. Diese sind bei jedem Privatanleger unterschiedlich. Deshalb halte ich ein gut strukturiertes Portfolio für elementar wichtig. Dies sollte aber nicht nach einem Baukastenprinzip funktionieren und statisch fest in die Wand gemeißelt sein. Mit einer gewissen Diversifikation und dynamischen Strategie lässt es sich leichter hantieren.

Ein Patentrezept gibt es diesbezüglich nicht und jeder muss für sich wissen, was er an Schwankungen am Aktienmarkt aushalten kann. Grundsätzlich ist eine global diversifizierte Strategie die richtige, doch diese ist in den meisten Privatdepots nicht zu finden. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn schon hunderte Depotauszüge von Vermögenden gesehen, die wenigsten hatten eine klare Struktur.

Fazit: Man sollte sich im Vorfeld bewusst sein, welche Ziele man an der Börse verfolgt, welchen Anlagehorizont man anstrebt und wie man seine Risikoklasse definiert und welche Schwankungen man mental durchstehen kann. Ist dieses Szenario klar definiert, geht es darum, gezielt ETFs aufeinander so abzustimmen, dass diese in Bezug auf Branchen, Sektor und Ländergewichtung stimmig und ausgewogen sind.

Hier würde ich die USA prozentual mit 30-40% gewichten, gefolgt von Europa und den Schwellenländern (BRIC Staaten). Einzelne spezifische Länder ETFs, beispielsweise der DAX könnte mit 5% Gewichtung einhergehen. Immobilien, Anleihen und andere Vermögensgegenstände würde ich separat betrachten und nicht mit in das Weltportfolio einfließen lassen.

Alex Werle | Homemade Finance

www.homemade-finance.de

Auf Homemade Finance kokettiere ich ganz gerne mit meiner Dreifaltigkeit des Investierens:

  1. Diversifiziert
  2. Kostengünstig
  3. Kontinuierlich

Besonders den ersten Punkt halte ich für ein erfolgreiches Engagement an der Börse für immens wichtig. Nur wenn wir uns diversifiziert auf den Kapitalmärkten bewegen, werden wir uns einen positiven Erwartungswert ins Depot holen.

Meine Philosophie ist es nicht auf einzelne Firmen zu setzen, sondern vielmehr die Weltwirtschaft in ihrer Gesamtheit abzubilden.

Wenn irgendwo auf dem Globus ein Flugzeug Menschen von A nach B bringt, dann will ich von den Tickets einen klitzekleinen Bruchteil abhaben.

Wenn irgendwo auf der Welt Smartphones über den Ladentisch gehen, dann will ich meinen klitzekleinen Teil abhaben.

Wenn Amazon dir dein nächstes Paket ausliefert, dann will ich meinen klitzekleinen Teil abhaben.

Wenn jemand seine Kreditkarte zückt, dann will ich mit dabei sein.

Wenn ein Auto vom Band rollt, dann will ich mit dabei sein.

Wenn IRGENDWAS in der Weltwirtschaft passiert, dann will ich mit dabei sein.

Verstehst du was ich meine?

An jedem Vorgang verdiene ich nur einen marginalen Bruchteil mit aber in der Weltwirtschaft gibt es Billionen solcher Vorgänge. Und ich versuche mit meinem Portfolio möglichst an jedem teilzuhaben.

Das ist meine Philosophie und das verstehe ich persönlich unter einem Weltportfolio. Dabei setze ich hauptsächlich auf Aktien als Urform der unternehmerischen Teilhabe. Anleihen, egal ob von Unternehmen oder Staaten, spielen für mich eine eher nebensächliche Rolle, sind aber zu einem geringen Teil auch in meinem Portfolio dabei. Von Rohstoffen halte ich nichts, Unternehmen erzeugen Wohlstand, nicht Rohstoffe. Ich will nicht auf Preisveränderungen spekulieren, sondern in die Weltwirtschaft investieren.

Immobilien können ein lukratives Geschäft sein, für mich kommen sie allerdings nur selbst gemanagt und damit mehr als eine Art Geschäft für sich in Frage. Ich betrachte sie nicht direkt als Teil meines Weltportfolios.

Wie gesagt, ich will jede Sekunde des Tages, egal ob wach oder nicht, mich daran beteiligen kann, wenn sich die Welt weiterbewegt und Wohlstand geschaffen wird.

Tick Tack.

Denn ich bin kein Warren Buffett, ich bin ein ganz normaler privater Investor wie du. Die Wissenschaft sagt uns, dass wir beide keine tollen Stockpicker werden. Warum also unsere Zeit damit verschwenden? Warum nicht den Blick für das größere Ganze öffnen für das uns sowieso bessere Chancen eingeräumt werden?

Vor allem wenn es uns Zeit und Energie sparen kann, die wir für die schönen Dinge des Lebens viel besser verwenden können.

Ein Weltportfolio aufzubauen ist heute leichter denn je. Man kann für wenig Geld breit streuende ETF kaufen und sich auf unzähligen Personal Finance Blogs da draußen das bisschen notwendige Wissen aneignen. Es ist mit etwas Anleitung wirklich leichter als man anfangs vielleicht denkt und später vielleicht sogar wahrhaben möchte.

Es war noch nie so einfach sich an der globalen Wirtschaft mit ihrem niemals ruhenden Puls zu beteiligen und für sich arbeiten zu lassen.

Rund um die Uhr.

Tick Tack.

Der Aktienteil meines Portfolios sieht so aus:

Stoxx Europe 600 33%
S&P 500 33%
MSCI Emerging Markets 33%

Die Herleitung und Details zu diesem Portfolio findet ihr hier.

Tim Schäfer | Tim Schäfer Media

timschaefermedia.com

Grundsätzlich finde ich ETF-Strategien vielversprechend. Passives Sparen ist kostengünstig und damit vielen aktiven Strategien überlegen. Das Aktiensparen über ETFs machen Sie im Idealfall über einen monatlichen Sparplan. Dabei sollten Sie strikt auf die Kosten des ETFs achten. Je geringer die Gebühren, desto besser. Je exotischer der ETF, desto teurer ist er im Regelfall. Insofern bevorzuge ich ganz einfache, simple Produkte. Beim ETF-Sparen geht nicht darum, die Börse zu timen, sondern mit ihr regelmäßig zu investieren, und zwar so günstig wie nur möglich.

Wie geht man am besten vor? Eine möglichst breite weltweite Streuung gilt bei vielen ETF-Fans als das Non-Plus-Ultra. Wer aber auf den S&P-500-Index setzt, hat schon eine breite Streuung erreicht. Denn ein großer Prozentsatz der Konzerne aus dem S&P 500 macht außerhalb Nordamerikas Geschäfte. 35 bis 40 Prozent des Umsatzes und Ergebnisses stammt erfahrungsgemäß aus dem Ausland. Eine Ausnahme sind Telekomdienstleister. Deren Geschäft beruht fast zu 100 Prozent auf dem Inland. Ihr Gewicht ist allerdings nicht allzu bedeutend.

Wer folglich auf einen S&P-500-ETF setzt, hat eine globale Ausrichtung erreicht. Wer direkt auf Schwellenländer-ETFs setzt, nimmt höhere Risiken in Kauf – das kann auch Währungsrisiken beinhalten. Kurzum: Ich empfehle ein ganz einfaches ETF-Produkt, das den S&P-500-Index nachbildet. Die USA ist die fortschrittlichste und stabilste Marktwirtschaft der Welt.

Dominic Fänders | Der Portfoliomanager

Für mich persönlich ist das Weltportfolio eine grobe Annäherung. Deshalb will ich da primär die wichtigsten Volkswirtschaften darin vertreten sehen, bspw. die G7-Staaten.

Die genaue Gewichtung nehme ich dabei weder nach Marktkapitalisierung, noch nach Bruttoinlandsprodukt vor, da mir dann zum Beispiel die USA ein zu großes Gewicht hätte. Das Land mag zwar 50% des weltweiten Börsenwertes ausmachen, doch bleibt es dennoch nur ein Land. In Sachen politisches Risiko (man denke an diese komische Wahl) wäre das eine Art Klumpenrisiko. Die Gewichtungen sind für mich nicht in Stein gemeißelt. Deshalb könnte das zum Beispiel so aussehen: 30% Nordamerika, 30% Europa, 20% Schwellenländer, 10% Japan, 10% Asia Pacific. Nur so als Beispiel.

Bei den Indizes tendiere ich zu größerer Marktbreite, also S&P 500 statt Dow Jones 30, Stoxx Europe 600 statt EuroStoxx 50, Nikkei 400 statt Nikkei 225 usw. Damit sind automatisch auch MidCaps umfasst, was nicht nur die Wirtschaft besser repräsentiert, sondern gleichzeitig zumindest theoretisch durch das Small Cap Premium die erwartete Rendite erhöht.

Ein anderer Punkt, der mir wichtig ist, ist eine halbwegs gleichmäßige Branchenverteilung. Viele der großen Leitindizes haben leider den Nachteil, dass etwa Finanztitel einen äußerst großen Anteil ausmachen. Ich möchte nicht, dass ein Drittel meines Portfolios aus Bankaktien besteht. Im Zweifel greife ich also zu einem anderen der vier großen Indexanbieter. Es gibt mittlerweile in Richtung Smart Beta auch Indizes, die Branchengewichtungen künstlich bei 20% kappen. Leider sind aber nicht alle davon sparplanfähig.

Was den Detailgrad angeht, so mag ein breit gestreuter Welt-ETF sicher ausreichen. Ich gehe aber gerne einen Schritt weiter und allokiere die USA, Europa (nicht Eurozone!), Japan, Asia Pacific ex-Japan und Emerging Markets. Dabei gehen mir zwar einige Länder und Regionen durch die Lappen, aber ich repräsentiere dennoch den größten Teil der Weltwirtschaft. Bei kostenlosem Besparen spricht auch nichts dagegen 5% Afrika oder was auch immer beizumischen, doch das ist wirklich nicht kriegsentscheidend. Ein Vorteil der Mainstream-Produkte ist nämlich, dass ihre Gebühren ein gutes Stück niedriger als die von kleinvolumigen Nischen-ETFs sind. Für mich ist es deshalb eine Handvoll Produkte – nicht mehr und nicht weniger.

Fazit

Die unterschiedlichen Auffassungen sind äußerst interessant. Es zeigt sich, dass Weltportfolio eben nicht Weltportfolio ist, insofern war es gut, mal darüber zu reden. Die Bandbreite reicht von einem einzigen Welt-ETF bis hin zu ETFs für jede Region.

Es herrschen auch unterschiedliche Auffassungen darüber, ob sich der Begriff nur auf den Aktienteil eines Portfolios bezieht oder weiter gefasst ist. Immobilien, Rohstoffe und Anleihen wären dann berücksichtigt. Wobei letztere ja wirklich nur Forderungen sind und kein tatsächlicher Realwert.

Small Caps finden aus Renditegesichtspunkten in einigen der genannten Weltportfolios Beachtung, weiter gefasste Indizes schließen sie aber häufig auch schon ein.

Tim Schäfer setzt bekanntlich auf Einzelaktien, insofern ist es kein Wunder, dass seine Meinung aus der Masse heraussticht. Ich würde ihm nicht zustimmen, denn das geografische Risiko ist enorm – auch wenn Umsätze im Ausland erzielt werden. Mit der gleichen Argumentation könnte ich ja auch eine einzige Exportaktie kaufen. Das sehe ich also anders – ist aber eine spannende, provokante These von Tim. Vielleicht ein Home Bias von jemandem, der ja in den USA lebt? Zur Relativierung: Ich meine mal von ihm gelesen zu haben, dass er durchaus auch in europäische Aktien investiert ist…

Ich sage ja immer, dass man bei der ganzen Debatte nicht vergessen darf, dass trotz aller Unterschiede in den oben genannten Vorgehensweisen, alle auf dieser Seite ihr Geld besser anlegen als 95% der Menschen. Der Großteil legt gar nicht an, dann kommen viele, die schlecht anlegen und vermeidbare Finanzfehler begehen. Wir reden hier aber schon über Optimierung des Grenznutzens, letztlich um Nuancen. Ich hoffe, dass für die interessierte Minderheit hier dennoch einige Gedankenanstöße dabei waren.

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten.

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