Es gibt viele Gründe, warum du vielleicht gerade verschuldet bist. Einige der Gründe sind absolut in Ordnung, andere sind wiederum einfach nur richtig mies. Investitionsschulden sind generell weniger problematisch. Wenn du also einen Kredit aufgenommen hast, um eine selbstgenutzte oder fremdvermietete Immobilie zu finanzieren, ist das nicht verwerflich. Gleiches gilt, wenn du mit einer Bankfinanzierung einen Unternehmenskauf ermöglich hast oder andere Investitionschancen nutzt.

Von guten und schlechten Schulden

Zu den Investitionsschulden zähle ich übrigens auch Bildungskredite. Bafög zum Beispiel muss derzeit zu 50% zurückgezahlt werden, viele Studenten nehmen weitere Kredite auf. Das geschieht ja in Erwartung eines höheren zukünftigen Einkommens und ist damit in der Regel gerechtfertigt. Allerdings sollte man sich schon zweimal überlegen, ob man Studiengänge mit bekanntermaßen niedrigen Bildungsrenditen (wie etwa Biologie, Theologie, Anglistik, Germanistik usw.) unbedingt kreditfinanzieren muss.

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Auf der anderen Seite gibt es verwerfliche Konsumschulden. Autofinanzierungen, Urlaubsfinanzierungen, ja gar Elektronikgeräte werden heutzutage häufig finanziert. Zum Glück sind Kreditkartenschulden hierzulande nicht das große Probleme, da es wenige „echte“ Kreditkarten gibt, sondern die meisten Karten spätestens monatlich abgerechnet werden.

Konsumschulden sind mir ein Graus. Kannst du dir es ohne Kredit nicht leisten, kannst du dir es nicht leisten. Punkt. Doch in unserer Gesellschaft müssen Wünsche scheinbar zunehmend sofort erfüllt werden, das Warten und Sparen liegt vielen fern.

Besonders schlimm in Großbritannien

Ich habe immer mal wieder mit Schuldnern zu tun, die mich um ihren Rat fragen. Es sind geschiedene Ehepartner, die jahrelang über ihren Verhältnissen lebten und dann die Ehe mit Schulden auflösen. Oder aber Studenten, die im Ausland studieren und deshalb teils horrende Studiengebühren zu berappen haben. Die verlassen die Uni dann schnell mal mit 50.000 Euro Schulden. In Großbritannien wurden vor einigen Jahren die Studiengebühren um ein Vielfaches erhöht und liegen jetzt standardmäßig oft bei knapp 10.000 Pfund im Jahr. Man erwartet, dass ein Großteil der Studenten die Schulden nie wird zurückzahlen können. Noch dazu ist die Verzinsung recht sportlich. Wir reden da über inflationsgebundene 3,5-5,5% pro Jahr.

Da die Reform der Studiengebühren in Großbritannien erst wenige Jahre her ist und die ersten hochverschuldeten Absolventen gerade erst die Unis verlassen, gibt es noch keine langen Erfahrungen bezüglich der langfristigen Auswirkungen. Bei durchschnittlichen Absolventengehältern von unter 30.000 Pfund werden die meisten allerdings Jahrzehnte abzahlen. Ein Nettomonatslohn wird ja alleine schon an Zinsen fällig. Folgerichtig erwartet man, dass die Quote der Eigenheimbesitzer in Großbritannien weiter zurückgeht, denn das ohnehin schon teure Wohneigentum auf der Insel wird damit für viele unerschwinglich. Noch viel schlimmer in meinen Augen: Die meisten werde nicht schuldenfrei eine Familie gründen können – und das Gefühl ist wirklich mies.

Ich rate nicht nur Studenten in Großbritannien, sondern auch den deutschen Schuldnern, die mich um Rat fragen, immer das Gleiche. Es gibt eine sehr galante Lösung, die die Schuldenlast deutlich erträglicher macht und die zu zahlenden Zinsen deutlich reduziert, wodurch der Kredit früher abbezahlt ist.

Hier kommt der beste Tipp, den ich geben kann

Die Lösung lautet: Umschuldung im Familien- und Freundeskreis. Ja, ich weiß, das ist durchaus kontrovers zu diskutieren. Das Kalkül hinter der Idee ist aber schnell erklärt. Angenommen eine Frau hat nach einer gescheiterten Ehe 40.000 Euro Schulden. Auf Grund fehlender Sicherheiten ist der von der Bank verlangte Zinssatz relativ hoch, sagen wir bei 4,00 %.

Die Frau kann beispielsweise mit ihren Eltern in Verhandlungen treten und ihnen für eine Ablösung des Kredites 3,00% Zinsen pro Jahr bieten. Sie spart also 1,00% bzw. anfangs bis zu 400 Euro Zinsen im Jahr. Der Vorteil für die Eltern: Sie investieren typischerweise risikoarm, erwirtschaften normalerweise also nicht 4% oder gar 8% Rendite pro Jahr. Ganz im Gegenteil: Sie setzen voll auf Spareinlagen und die werden weit unter 1% verzinst. Man trifft sich mit dem Zinssatz also irgendwo in der Mitte und beide Seiten haben einen Vorteil. Die Eltern verdienen bis zu zehnmal höhere Zinsen, die Tochter spart ein oder zwei Prozent auf ihren Kreditzins.

Der Verlierer bei der Aktion: die Bank. Denn was man sich dabei spart, ist die Gewinnmarge und der Risikopuffer der Bank. So bleibt das Geld in der Familie und kommt keinem anonymen Dritten zu Gute. Das ist ein klares Win-Win.

Noch dazu gibt es im Peer-to-peer-lending (der Fachbegriff für solche Transaktionen) einen weiteren Vorteil: Gegenüber der Familie und Freunden will man sein Gesicht wahren und ist daher sehr verbindlich.  Das kommt der planmäßigen Rückzahlung des Kredites zugute. Das gleiche Prinzip machen sich Banken im Bereich Micro Finance zunutze. Sie verleihen beispielsweise 50 Dollar an einen indischen Bauern, lassen allerdings die lokale Gemeinschaft dafür haften. Das führt zu deutlich niedrigeren Ausfallraten, da der Bauer im Dorf bei ausbleibenden Raten mit seinen Jungs sonst ein dickes Problem hätte.

Die Spielregeln

Zurück zu meinem Tipp. Damit so ein Arrangement funktioniert, gibt es einige Regeln zu beachten.

1. Zum einen muss der Kreditzins beiderseits kompetitiv verhandelt werden. In der Praxis wird man sich irgendwo in der Mitte treffen. Für beide Seiten muss der Vorteil groß genug sein.

2. Natürlich muss ein ganz offizieller, privater Kreditvertrag geschlossen werden. Dabei bitte keine Abstriche machen und auch kein Auge zudrücken!

3. Es muss ein Rückzahlungsplan vereinbart werden, an den sich auch gehalten wird.

4. Sicherheiten können vereinbart werden, in der Regel ist die Situation des Schuldners allerdings so misslich, dass sich diese Frage nicht wirklich stellt.

5. Beide Seiten müssen professionell mit dem Kreditverhältnis umgehen. Der Gläubiger darf seine Stellung nicht im anderen Kontext missbrauchen („Du könntest mir jetzt aber schon die Gartenarbeit machen, schließlich sparst du durch mich Geld.“). Der Schuldner sollte den Kreditgeber nicht ständig um weiteres Geld anpumpen.

Wenn alle diese Punkte beachtet werden, können solche Umschuldungen allen Parteien Freude machen und es ist bares Geld gewonnen. An die Regeln sollte man sich strikt halten, denn eines muss klar sein: Bei Geld hört die Freundschaft meist auf und auch Familienbünde können belastet werden. Also am besten den Konflikt über den Kredit tunlichst vermeiden.

Ich will peer-to-peer lending jetzt auch nicht als Allheilmittel preisen, denn die „sozialen Risiken“ sind ja unübersehbar. Doch in bestimmten Situationen sollten Schuldner diese Option erwägen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Zinsen so hoch sind, dass kaum getilgt wird und deshalb ein Teufelskreis droht. In besonderen Situationen können solche Kredite also davor bewahren, langfristig in die Verschuldung abzurutschen. Ich würde es nicht forcieren, wenn man sich zum Beispiel günstige Hypothekenzinsen problemlos leisten kann oder selbst die Gefahr sieht, mal eine Rate nicht zahlen zu können.

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

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