Da ist es also, das Jahr 2017. Ich möchte die Chance heute nutzen und euch zwei meiner Neujahrsbräuche näher bringen. Beide stehen ganz im Stile des gehypten Modethemas „Mindfulness“ bzw. Achtsamkeit.

Die Auszeit im Kloster

Schon seit ca. sieben oder acht Jahren verbringe ich die Zeit um den Jahreswechsel immer im Kloster (dieses Jahr war eine Ausnahme). Das scheint mir noch immer ein echter Geheimtipp zu sein.

Fast alle Klöster öffnen sich Gästen, da die Ordensregeln vorgeben, jeden Gast quasi wie den Herrn persönlich zu empfangen. Die Ausgestaltung ist dabei allerdings je nach Kloster recht unterschiedlich. Manche haben das recht stark kommerzialisiert, haben große Gästetrakte gebaut, bieten Seminare, Coachings und Begleitungen. Das ist nicht wirklich mein Ding.

Ich schätze dagegen die authentische Erfahrung, wirklich zusammen mit den Mönchen in der Klausur zu leben und an ihrem Tagesablauf teilzunehmen. Das umfasst alle Mahlzeiten und die 5 Stundengebete am Tag, nicht allerdings die Arbeit dazwischen.

Die Zeit um Neujahr bietet sich für eine Kontemplation im Kloster ideal an. Es ist das gedankliche Abschließen mit dem abgelaufenen Jahr und das Neukalibrieren für das nächste Jahr. Ich setze meine Festplatte im Oberstübchen quasi auf Reset. Dann kann ich ausgeglichen und meiner Ziele und Werte bewusst ins neue Jahr starten. Welche Methode mir dabei genau hilft, erfahrt ihr weiter unten.

Für einen Klosteraufenthalt solltet ihr mindestens 3-5 Tage einplanen. Gerade als Ersttäter braucht man Zeit, um runterzukommen. Beim ersten Mal war ich ganze zwei Wochen dort! Die Zeit wird lang, aber der dann einsetzende Effekt ist auch nicht zu unterschätzen. Man lernt, es mit sich selbst auszuhalten.

Hier sind nur einige der vielen Vorteile, die ein Klosteraufenthalt zu bieten hat:

1. Informationsdiät

W-LAN gibt es in der Regel nicht, selbst der mobile Empfang ist in abgeschiedenen Gegenden hinter dicken Mauern nicht gegeben. Sehr wohltuend und old school kann man in der Früh die Zeitung studieren. Zeitungslesen wird damit zu einer sehr bewussten Beschäftigung. Der Reizüberflutung ist ein Ende gesetzt. Man wird auf keinem Wege Werbung ausgesetzt.

2. Gesunder Tagesablauf

Die Durchtaktung des Tages im Kloster hat etwas Gutes für sich. Man kann sich fallen lassen, da jeder Tag sehr ähnlich aussieht. Eingerahmt von Mahlzeiten und Gebeten. Frühes Aufstehen (je nach Kloster und Jahreszeit zwischen 4:30 und 6 Uhr) sorgt dafür, dass man viel vom Tag hat. Man geht früh ins Bett, bewegt sich an der frischen Luft, sitzt nicht vor Bildschirmen, liest. Das ist äußerst wohltuend.

3. Naturerlebnis

Ich mache meine Klosteraufenthalte immer in landschaftlich ansprechenden Gegenden. Ein Fassadenwechsel gehört für mich dazu. Ist ein Bergkloster nicht tausend Mal schöner als ein Orden irgendwo in Kassel?

Bringt Distanz zwischen eure Heimat und das Kloster! Die Reise ist Teil der Erfahrung. Berge, Seen und Co. ermöglichen euch, den Aufenthalt in toller Natur zu verbringen. Das Sein in dieser Natur ist für mich Teil der geistigen Erfahrung.

4. Religion und Glaube sind egal

Man muss nicht katholisch sein, um im Kloster einzukehren (ich bin’s nicht). Man muss noch nicht einmal glauben. Ich habe schon einen Freund, der Moslem ist, in dieses Kloster geschickt. Die meisten werden ja eine wie auch immer geartete, individuelle Spiritualität haben, ganz unabhängig vom Glauben. Dem besonderen Reiz gregorianischer Gesänge in einem Kreuzgang in der Früh um 5 dürften sich die wenigsten entziehen können.

Und so kann man mal ein paar Tage über die wirklich wichtigen Dinge im Leben nachdenken. Ich nutze die Zeit immer, um strategische Entscheidungen zu treffen und um mit mir selbst wieder ins Reine zu kommen.

Jahresrückblick auf A4

Meine Methode, das letzte Jahr gedanklich abzuschließen, ist einfach und kann auch zuhause erfolgen. Ich bereite das letzte Jahr einfach in einer Mindmap nach. In die Mitte schreibe ich das Jahr, davon gehen Hauptwolken ab wie Freunde, Arbeit, Reisen etc. Davon gehen wieder Unterpunkt ab, bspw. alle Reisen, die ich unternommen habe und so weiter.

Am Ende hat man das ganze Jahr auf einem einzigen DIN-A4 Blatt. Jeweils ein Stichwort genügt. Das mache ich seit 8 Jahren und es ist einfach wunderbar, wenn man das gesammelt abheftet und darauf zurückblicken kann. Ich kenne keinen anderen Weg, wie man den Inhalt eines Jahres auf einen Blick rekapitulieren kann.

Eine zweite Tätigkeit ist das Schreiben von Briefen. Ich schreibe mir ohnehin mit den Menschen, die mir sehr wichtig sind, auch unter des Jahres handgeschriebene Briefe. Die Zeit im Kloster nutze ich, um den zwei Menschen, die mein letztes Jahr am positivsten beeinflusst haben, einen Dankesbrief zu schreiben. Die gingen in der Vergangenheit an Liebschaften, enge Freunde, aber auch Mentoren wie Top-Manager, mit denen ich keine sonderlich persönliche Bindung pflege.

Das soll es für heute gewesen sein. Viele Grüße aus dem Oman und ein wunderbares Jahr 2017!

Dominic

Über den Autor

Dominic arbeitete nach Banklehre und Wirtschaftsstudium für eine Privatbank als Portfoliomanager und verwaltete große Vermögen. Auf seinem Blog Der Portfoliomanager schreibt er über schlaue Geldanlage – mit dem Ziel, die Rendite seiner Leser vorm Nullzins zu retten. Mehr

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